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Mitglieder-Talk 08.10.2025 | Wehrpflicht, Bildungsauftrag & kollegiale Unterstützung
Wehrpflicht als neues altes Thema
Ausgangspunkt war die überraschend rasch wieder aufgeflammte Debatte um die Wehrpflicht. Spätestens mit dem viel zitierten Satz von Verteidigungsminister Boris Pistorius – „Wir fangen jetzt an, Kasernen zu bauen für die Wehrpflichtigen“ – ist das Thema in der öffentlichen Diskussion angekommen.
Im Mitglieder-Talk wurde gefragt:
Ist die Wehrpflicht (und ihre Verweigerung) ein Thema für die Evangelische Jugend und unsere Zielgruppen?
Welche Haltung haben die Mitglieder der GAV dazu – persönlich und fachlich?
Sind wir eine Kompetenzstelle, wenn es um Beratung, ethische Orientierung und Bildungsarbeit zu diesem Themenfeld geht?
Aus verschiedenen Perspektiven – u. a. als Mitglied der GAV, Pfarrer, Militärseelsorger, Pazifist*in, Mitarbeitende in offener und verbandlicher Jugendarbeit, Lehrende und Eltern – wurde diskutiert, was Jugendliche heute brauchen und was Menschen benötigen, die von ihnen um Rat gefragt werden. Erinnerungen an frühere Wehrdienstberatung (2021) trafen dabei auf die Frage: Wie sieht verantwortliche Beratung 2025 aus?
Deutlich wurde:
Wir brauchen fachliche Expertise, Räume für Austausch und einen ethisch reflektierten Diskurs. Und wir brauchen Formen, das Thema in Schule, Jugendarbeit und kirchliche Bildungsarbeit auf die Tagesordnung zu setzen – immer verbunden mit der Frage, wer den Bildungsauftrag trägt und wie Jugendliche qualifiziert informiert und zur eigenen Positionierung ermutigt werden können.
Konkreter Beratungsbedarf aus der Praxis
Eine zweite, sehr konkrete Anfrage kam von einem Mitglied, das seit einigen Jahren als Deeskalationstrainer*in tätig ist. In seinem Umfeld nimmt es eine spürbare Zunahme rechtsgerichteter Orientierungen wahr und möchte gezielte Trainings dazu anbieten.
Die Frage in die Runde:
Wie gewinne ich Sicherheit in meiner Rolle als Trainer*in – und gibt es Möglichkeiten zur Hospitation?
Im Mitglieder-Talk konnten Erfahrungen geteilt, Einschätzungen gegeben und konkrete Hospitationsmöglichkeiten eröffnet werden. Hier zeigte sich exemplarisch, wofür die GAV steht: kollegiale Beratung, fachliche Rückkopplung und Unterstützung im konkreten Trainingsalltag.
Warum es sich lohnt, beim nächsten Mal dabei zu sein
Am Ende stand die Frage: „Was würdet ihr anderen Mitgliedern erzählen, warum sie beim nächsten Mitglieder-Talk unbedingt dabei sein sollten?“ Genannt wurden u. a.:
Gemeinsam mit der GAV ein Forum schaffen, in dem Themen wie Wehrpflicht, Verweigerung und Friedensethik für Jugendliche und junge Erwachsene bearbeitet werden.
Mit gebündelter Fachexpertise in den Diskurs gehen – auf unterschiedlichen Wegen, mit verbindenden Elementen und möglichst gewaltfrei auf dem Weg zum Frieden.
Konkrete Anregungen und Hinweise erhalten, wie es beruflich und persönlich weitergehen kann – als Trainer*in, Lehrkraft, in der Jugendarbeit oder als Elternteil.
Wahrnehmen, dass „nicht in meinem Hinterhof“ keine Option ist: Die gesellschaftlichen Debatten betreffen uns alle – und wir wollen als Kirche und Gewalt Akademie Villigst handlungsfähig bleiben, statt den Zug zu verpassen.
Der Mitglieder-Talk hat einmal mehr gezeigt: Die GAV ist mehr als eine Weiterbildungseinrichtung – sie ist ein lebendiges Netzwerk von Expert*innen, das fachliche Diskurse ermöglicht, Unsicherheiten aufgreift und gemeinsam Wege sucht, wie wir Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene in einer komplexer werdenden Welt stärken können.



