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Weiterbildung Rassismus-Rechtsextremismus-Präventions-Trainer*in – (RRPT) 2019

18 neue Teilnehmende starteten ihren Weg der Weiterbildung zur/zum Rassismus-Rechtsextremis-Präventionstrainer*in. Wie immer (jetzt schon zum 7. Mal in Folge!) fanden sich Menschen aus unterschiedlichsten Berufsfeldern der Bildungsarbeit zusammen, um Neues zu erfahren und bereits Erlerntes und Erprobtes mit anderen Teilnehmenden auszutauschen und zu diskutieren, um es später in ihren eigenen Berufsalltag zu integrieren.

Was sind Klischees bzw. Vorurteile? Wie kann ich diese unterscheiden? Wo fängt denn Rassismus an? Ist das wirklich schon Rassismus? Das habe ich doch aber soo gar nicht gemeint! Wie spreche ich selbst im Alltag? Welche Vorurteile und (rassistischen) Denkmuster trage ich selbst unbewusst in meinem Kopf? Und bin ich bereit eigene Privilegien zu erkennen und zu reflektieren? Ist es wirklich nur ‚Gedankenlosigkeit’, die mich unbewusst immer wieder rassistische oder auch ausgrenzende Äusserungen machen lässt?

 

Das sind die Fragen, die die Teilnehmenden bewegen und in den ersten beiden Modulen (Gesellschaftliche Privilegien erkennen & Rassismus wahrnehmen und Dimensionen des Rassismus) thematisiert werden. Wir arbeiten mit dem rassismuskritschen Fokus und bedienen uns der Methoden aus den Theorien des Critical Whiteness (Kritisches Weiß-Sein), des Empowerments & Powersharings, des Anti-Bias-Ansatzes sowie der Biografie-Arbeit.

 

Durch die Arbeit an der eigenen Haltung wollen wir Menschen über die ausgewählten Methoden und Inputs für Rassismus, Rechtsextremismus und Diskriminierungen im Alltag sensibilisieren und Wege der Veränderung aufzeigen.

…. privilegiert? – Ja!

…. nie wieder rassistisch? – Nein ….

…. nie wieder ins Fettnäpfchen treten? – Nein ….

 

Das ist nicht immer einfach. Denn die Auseinandersetzung mit dem Eigenen

- tut weh

- ist unbequem

- bedarf sich selbst immer wieder neu zu reflektieren und in Frage zu stellen

- bedarf Empathie und Mut!

 

Vom Eigenen zum Theoretischen ….

Im Modul ‚Was heisst eigentlich: Rechtsextremismus’? wurden Definitionen und Abgrenzungen von Rechtsextremismus, Neonazismus, Neue Rechte und Rechtspopulismus vertiefend dargestellt und diskutiert. Das Syndrom der Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit als Ideologie der Ungleichwertigkeit wurde ebenso thematisiert wie die Ergebnisse der letzten Mitte-Studien mit ihren Ergebnissen zu rechtsextremen Einstellungen in Deutschland.

 

In der ‚Erlebniswelt der extremen Rechten’ wurde veranschaulicht welche Symbole, Codes und welcher Lifestyles aktuell ‚angesagt’ sind. Woran erkenne ich ‚rechte’ Jacken, T-Shirts, etc.? Welche Labels und Klamotten zeigt die rechte Szene deutlich nach aussen? Was ist verboten? Was ist erlaubt? Auch die unterschiedlichste rechte Musik und ihre Aussagen waren Bestandteile dieses Moduls.

 

Der Besuch der Wewelsburg war auch in diesem Jahr wieder mit dem Modul ‚Aus der Geschichte lernen – aber wie?’ verknüpft. Ist Erinnerungsarbeit hilfreich, um das Anwachsen rechter Einstellungen heute zu minimieren? Welche Möglichkeiten bietet uns ‚wirksame’ Geschichtsvermittlung im Kontext rassismuskritischer Bildungsarbeit? Wie können wir ‚Oral History’ als letzte Chance für unsere Arbeit einbinden? Wie kann Gedenkstättenarbeit positiv für geschichtliche Sensibilisierung eingesetzt werden? Spannende Diskussionen vor Ort zeichneten dieses Modul aus.

 

5. & 6. Juli 2019

Unser Abschluss-Modul stand unter dem Motto ‚Intervention’ und ‚Was ich abschliessend noch wissen will’….

 

Zwei Workshops hatten den Fokus auf „Strategien und Handlungsmöglichkeiten gegen Rassismus und Rechtsextremismus“ und „Herausforderungen in der demokratischen Bildungsarbeit“

- Was bedeutet der rechte Kulturkampf und was sind die Folgen für unsere eigene Arbeit?

- Sollen wir mit Rechten reden?! / Bsp. Die AfD einladen oder besser nicht?

- Wo sind die Fallstricke für unsere Arbeit, da wir dem Neutralitätsgebot unterliegen ?

 

Vertiefende Workshops befassten sich mit den Themen:

- Wie gestalte ich einen Workshop oder ein Seminar?

- Sprache und Rassismus oder … wo beginnt eigentlich Rassismus?

- Fußball und extreme Rechte

 

Lobhudeleien in eigener Sache:

Bedanken wollen wir uns für den spannenden Input von Ulrike Becker (Diversitätstrainerin, Uni Bielefeld) zum Thema „Diversität in der Jugendarbeit“ sowie bei den Kolleginnen von NinA NRW mit dem Schwerpunkt „Neue Wege in der Ausstiegsberatung für rechtsextreme Jugendliche und Erwachsene“. Das hat unser Angebot abgerundet. Merci vielmals! Danke ebenfalls an die Quartiersdemokrat*innen aus Dortmund.

 

Nachmittags gratulierten wir den frisch gebackenen Rassismus-Rechtsextremismus-Präventionstrainer*innen und wünschen ihnen Empathie, Mut und allzeit gutes Gelingen für ihre rassismuskritische Bildungsarbeit.

 

Dank an alle Teilnehmer*innen für ein tolles Miteinander und intensiven kollegialen Austausch! Danke ans Team (Doreen Wagner, Holger Wiewel, Isabell Kleinemeyer, Jonas Flick, Leroy Böthel, Siegrid Lorberg-Tamakloe & Volker Kohlschmidt) sowie an Gudrun Kirchhoff aus der Verwaltung für die RRPT-Weiterbildung 2019. Und es geht weiter…

 

…auch 2020 wird es die Weiterbildung „Rassismus-Rechtsextremismus-Präventionstrainer*in“ geben. Näheres ab Ende November dann hier auf der Homepage.

 

Siegrid Lorberg-Tamakloe