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Traumasensibles Deeskalationstraining

Traumakompetenz im Curriculum der Weiterbildung „Deeskalationstrainer*in Gewalt und Rassismus Gewaltakademie Villigst“ - Eine Empfehlung

Traumasensibeles Deeskalationstraining1

Traumakompetenz im Curriculum der Weiterbildung „Deeskalationstrainer*in Gewalt und Rassismus Gewaltakademie Villigst“ -
Eine Empfehlung

Die Weiterbildung zum*zur Deeskalationstrainer*in wurde entwickelt von Experten*innen für Gewalt und Rassismus. Deeskalationstrainer*innen sind in der Lage, Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit unterschiedlichen Gewaltbegriffen zu konfrontieren, können Eskalationsstufen benennen und erklären, konstruktive Konfliktlösungen anbieten, präsentes Auftreten schulen, rassistische Verhaltensweisen aufdecken, Rassismus in der Sprache entlarven und so insgesamt zu einer toleranteren Gesellschaft beitragen.

Deshalb werden sie auch so oft von Schulen und Institutionen mit dem vordergründigen Auftrag angefragt, bei ihnen doch bitte etwas zur Konstruktiven Konfliktkultur, zur Überwindung von Mobbing, Gewalt und Rassismus anzubieten. Allerdings auch häufig mit dem geheimen oder auch offenen Auftrag, doch die besonders verhaltensinteressanten und aggressiven Kinder, Jugendliche und Erwachsene in den Griff zu bekommen, bestenfalls inklusive eines Rezepts.

Zwischen Überreaktion und Ignoranz

Vieles aus dem Repertoire der GAV hilft und wirkt, aber manchmal scheint die Methode zu konfrontativ. Teilnehmende reagieren extrem, auf den ersten Blick unerklärlich. Auf andere Teilnehmende oder auf die Kinder und Jugendlichen, mit denen die Teilnehmenden arbeiten, scheinen weder die Interventionen der Deeskalationstrainer*innen noch andere Angebote zu wirken.

Ein Perspektivwechsel, das Verhalten durch die traumakompente Brille zu betrachten, gibt vielleicht Antworten. Wozu verhält sich der*die Teilnehmende so, ist er*sie sich dessen bewusst? Gibt es einen guten Grund für ihn*sie persönlich, einen guten Grund für sein*ihr Verhalten? Reagiert er*sie manchmal wie nicht anwesend, wie „weggebeamt“? Ist es für ihn*sie unerklärlich?

Eben diese Menschen sind oft so von Gewalt betroffen gewesen, dass ihr Gehirn unter überforderndem Stress (Ohnmacht) zu der Situation keine narrative Geschichte bilden konnte. Das hat zur Folge, dass sie "hier und jetzt" und "dort und damals" verwechseln und aktuell so reagieren, wie es dort und damals passend gewesen wäre. Auch ihr rational begreifbares Verhalten kann so gestört worden sein, dass es zu Abspaltungen der Erinnerung kommen kann oder zu aggressiven Überreaktionen in Form von Kampf. Auch können Fluchtreflexe folgen und schlimmstenfalls, wenn die Möglichkeit der Flucht auch verwehrt wird, die Unterwerfung bis hin zur Starre.

Die Reaktionsweise in einer lebensbedrohlichen Situation ist nicht kognitiv, sondern von Stresshormonen angetrieben, also im Sinne eines Reiz-Reaktions-Musters. Menschen, deren Gehirn auf diese Überlebensmechanismen zurückgreifen musste, reagieren oft aus vermeintlich unerklärbaren Gründen über und mit aus dem sogenannten normalen Maß herausfallenden Verhaltensweisen von Aggression, Gewalt, Flucht oder auch vollkommen passiv. Doch diese Verhaltensweisen sind aus der Geschichte des ursprünglichen gewalttätigen Ereignisses heraus erklärbar, ja sogar logisch, denn sie sind überlebenswichtig.

Die Ursprungsgeschichte kennt aber die verhaltensinteressante Person oft selbst nicht, denn extreme Belastung, Überlebenskampf mit entsprechend hoher Ausschüttung von Adrenalin, Noradrenalin, hohem Cortisolspiegel und Endorphinen beeinträchtigt die Gedächtnisverarbeitung und führt damit zum partiellen Vergessen. Es verbleiben sogenannte Splitter der Geschichte und das sind die antriggerbaren Auslöser für das (unbegreifliche) Verhalten.

Hier beginnt das Dilemma. Kennt der traumatisierte Mensch die Geschichte, d.h. also auch den Auslöser seines getriggerten Verhaltens nicht, so ist sein Verhalten auch kognitiv nahezu unsteuerbar. Verfügt der Profi nicht über Traumakompetenzen, stoßen seine Versuche der Prävention und Intervention immer wieder an die Grenze des triggerbaren Verhaltens. Im Resultat erscheinen die Interventionen des Deeskalationstrainings wirkungslos. Es kommt zu Missverständnissen und auch Verweigerungen. Können traumainkompetente Deeskalationstrainer*innen die letztlich eskalierte Situation nicht einordnen, reagieren sie hier wohl möglich autoritär oder auch mit Bindungsverweigerung. Dies führt schlimmstenfalls in eine Retraumatisierung, in der der betroffene Teilnehmende zurückgelassen wird.

Unabhängig davon wirken sich solche unkalkulierbaren Situationen auf die komplette Gruppe negativ und irritierend aus. Deshalb macht es Sinn, Traumakompetenzen in die Ausbildung zum*zur Deeskalationstrainer*in als Baustein aufzunehmen.

Dies gewährleistet:

  • ein weiteres Erklärungsmodell für extremes Verhalten zu kennen, Verhaltensweisen nochmal besser und anders einordnen zu können (z.B.: extremes Verhalten kann aus Resten von traumatischen Situationen gespeist werden),
  • dieses Wissen auch an Teilnehmende der Deeskalationstrainings weiterzugeben und
  • Deeskalationstrainings traumasensibel aufzubauen und durchzuführen.

Bisher ist Traumakompetenz als Baustein noch nicht im Curriculum der GAV integriert. Allerdings sind seit 2009 schon viele Deeskalations- und Lehrtrainer*innen der GAV fortgebildet worden. Dieser Trainer*innenpool ist eine gute Voraussetzung für solch ein Vorhaben.

Deeskalationstraining GAV – handlungsfähig bleiben

Selbstverständnis der Gewaltakademie

  • Gewalt wird häufig abgelehnt, obwohl sie bei näherer Betrachtung viele Bereiche unseres eigenen Lebens tangiert. Sie wird oft anderen zugeschrieben und nur ungern auf eigenes Verhalten und Handeln bezogen.
  • Gewalt wird fast durchgehend abgelehnt, wenn es sich um physische Gewalt und offenen Rassismus handelt. Eigene, strukturelle, verbale oder psychische Gewalt wird aber nur allzu häufig verharmlost oder ausblendet.
  • Gewalt wird oft relativiert und verharmlost, wenn damit Eigenschaften wie gut, rechtmäßig, erfolgreich, legitim, normal, notwendig, lustvoll oder „Spaß haben“ verbunden werden.
  • Gewalt hat manchmal einen „faszinierenden Charakter“, weil sie Eindeutigkeit in unklaren, unübersichtlichen oder bedrohlichen Situationen bewirken kann und so hilft, eigene Angst und Ohnmacht zumindest kurzfristig zu überwinden.
  • Gewalt garantiert mitunter Aufmerksamkeit und Fremdwahrnehmung, die scheinbar mit anderen Mitteln nicht mehr herstellbar war.
  • Gemeinsam ausgeübte Gewalt kann in Gruppen zumindest kurzfristig partielle Solidarität erzeugen, bzw. sich als klar erkennbarer Prüfstein für Solidarität erweisen.
  • Gewalthandlungen werden von den Täter*innen in der Situation und in der Erinnerung oft als emotional erregend, stimulierend und rauschartig erlebt.
  • Gewalt wird deshalb von den Tätern oft als ein „erfolgreiches Handlungsmodell“ (Heitmeyer) erlebt und begriffen.2
  • Gewalt als angetriggertes Überlebensmuster aus einer traumatischen Situation aus der Vergangenheit


Aufgabe der Gewaltakademie

Die Gewaltakademie ist keine Gewaltvermeidungsschule, sondern eine Lern- und Forschungsgemeinschaft, in der Gewalt untersucht wird. Wo es darum geht, zu begreifen, zu verstehen, wie Gewalt funktioniert, was wider Gewalt Sinn macht. Welche Normen und Werte Bestand haben, als Regel taugen und für alle gelten können und sollen.

Sie liefert keine Entschuldigungs-, Entschuldungs- und Legitimationsmodelle für Täter*innen. Im Gegenteil. Sie benennt Gewalt in all ihren Dimensionen. Sie ermöglicht aber Erklärungsmodelle zur Herkunft, Ursprung, Dynamik und Ergebnis von Gewalt.

Im Deeskalationstraining geht es um Erkennen und Benennen von Gewalt in allen Erscheinungsformen, psychisch, physisch und strukturell. Ein solches Training bietet soziale Erlebnisfelder in denen Ursachen, Wirkung und die Eskalationsstufen von Gewalt betrachtet und erfahrbar werden. Es fördert die Fähigkeit zur konstruktiven Konfliktkultur, es bietet die Entwicklung und Erprobung von Flucht-und Interventionsmöglichkeiten und ein deeskalierendes Verhaltens- und Handlungsrepertoire zur Überwindung von Gewalt- und Bedrohungsprozessen.

In der Ausbildung zum*zur Deeskalationstrainer*in wird ein dezidiertes Curriculum geboten. Dies beinhaltet neben Fachinhalten natürlich auch die Entwicklung der eigenen Persönlichkeit, Überprüfung der eigenen Haltungen und Wahrheiten, Belastbarkeit und Antrieb. Besonderes Augenmerk liegt in der Aneignung einer Didaktik und eines Methodenrepertoires, das in den Trainings ermöglicht, sich dem Thema Gewalt und insbesondere die Überwindung von Gewalt und Konflikten nicht nur theoretisch, sondern auch emotional zu erschließen. Es wird nicht nur über die Dimensionen von Gewalt gesprochen, sondern sie sind auch zu fühlen.

Ziel ist, nach dem Training mit praktisch anwendbaren Handlungsmöglichkeiten zur Überwindung von Gewalt, Rassismus und Konflikten in den Alltag und ins Berufsfeld zurück zu kehren. Genau hier liegt die Schnittmenge von Traumapädagogik und Deeskalationstraining. Im Rahmen des Trainings wird der Erfahrungsraum eröffnet, in dem es um Ursachen, Wirkungen und die Spuren, die Gewalt hinterlässt, geht. Es gilt zu beachten, das im Training traumatisches Material ins Bewusstsein (getriggert) befördert werden könnte und dann das Verhalten der betroffenen Person bestimmt. Für den verantwortungsvollen und traumasensiblen Umgang mit der Dynamik und der gewählten Methodik/Didaktik im Deeskalationstraining brauchen ausgebildete und zukünftige Deeskalationstrainer*innen Traumakompetenz.

Traumapädagogik - wieder handlungsfähig werden

Die Intention von Institutionen wie Schule, Deeskalationstrainer*innen zu engagieren, ist häufig eine gruppenbezogene. Mit anderen Worten: wie schaffen wir ein gutes Klima in der Klasse, im Team, in der Institution? Wie einigen wir uns auf Regeln und halten diese ein?

Deeskalationstrainer*innen betrachten die Gruppendynamik systemisch und im Blickwinkel der jeweiligen Ordnungen wie Ursprungs-, Bedeutungs- und Funktionsordnung. Das ist der orientierungsgebende Teil. Dabei darf nicht übersehen werden, dass jedes Gruppenmitglied als Individuum aus der Summe seiner Sozialisation einen Teil in die Gruppe einbringt. Diese Teile sind wirksam im Gruppengeschehen.

Da finden sich manchmal so verhaltensinteressante Persönlichkeiten und gruppendynamische Prozesse, die die Deeskalationstrainer*innen an ihre Grenzen stoßen lassen.

Gewalterfahrungen und mögliche Gewaltsituationen sind oft Thema in Deeskalationstrainings

Nicht jede Gewalterfahrung führt zum Trauma. Erinnern die Betroffenen die Gewalterfahrung auf allen sensorischen Kanälen, sind sie bestenfalls heil aus der Situation heraus gekommen, dann verbucht das Gehirn das Erlebte auf dem sogenannten Resilienzkonto und kann es sogar in kommenden, gefahrvollen Situationen als sicheres und erfolgreiches Verhalten abrufen. In diesem Sinne funktionieren auch die Erfahrungen aus den verhaltensorientierenden Methoden im Deeskalationstraining. Sie bieten kontextbezogene Übung und fungieren damit als sogenannte Bahnenbereiter im menschlichen Gehirn. So kann das Gehirn die erfolgreichen deeskalierenden Erfahrungen aus den Trainingssituation in realen, bedrohlichen Situationen abrufen und die sich bedroht fühlende Person entsprechend handlungsfähig und deeskalierend reagieren.

Deshalb kann die Teilnahme am Deeskalationstraining zum einen vorbeugend wirken. Es stärkt die Selbstwirksamkeit und das Wissen, wie ich mich in Gewalt- und Bedrohungssituationen verhalten kann. Damit fördert das Deeskalationstraining tatsächliche Kompetenzen und Resilienz und einen nicht traumatischen Umgang mit Gewaltsituationen. Zum anderen kann die Trainingsteilnahme auch das Sicherheits- und Selbstwirksamkeitsgefühl wieder zurückgeben. Genau an diesem Punkt treffen wir wieder auf die Schnittmenge Traumapädagogik und Deeskalationstraining. Zur erfolgreichen Förderung der Selbstwirksamkeit sind Gelingensbedingungen wie sie in der Bedürfnispyramide nach Maslow zu finden sind, Voraussetzung.3

Bei Menschen, die unter einer Traumafolgestörung leiden, sind aber einige Faktoren so zer- und gestört (z.B. sicheres Bindungsbedürfnis), dass erst oder zumindest auch das traumatische Feld bearbeitet werden muss, damit das Feld der Selbstwirksamkeit im Gehirn bestellt werden kann. Die Person kann das Training nicht nutzen, weil er*sie in einen alten Zustand gerät und aktuelle Informationen nicht verarbeiten kann.

Der*die betroffene Teilnehmende spürt Widerstand, lehnt das Training als unbrauchbar ab, verweigert die Teilnahme oder stört. Schlimmstenfalls kommt es zu Aktivierung alter Traumaerfahrungen, die nicht als solche identifiziert werden. Der*die Teilnehmende erhält vielleicht noch nicht einmal ein Bindungs- oder Sicherheitsangebot. Hier (wie in der Einleitung schon bemerkt) wird Traumakompetenz gebraucht. Zum einen als Angebot für die Profis wie Lehrkörper, Erzieher*in, Sozialarbeiter*in, Teamleiter*in im Sinne von erweiterter und ergänzender Information über Trauma zur Perspektiverweiterung. Zum anderen, um den Schluss zuzulassen, dass eine andere Haltung und/oder Intervention wie die der Traumapädagogik notwendig oder ratsam ist.

Dazu gehört: 

  • die Annahme des „Guten Grundes“ für das Verhalten der auffälligen Person, also: das schwierige Verhalten ist kein Persönlichkeitsmerkmal, sondern eine Reaktion auf das traumatische Erlebnis noch in eingefrorenem Zustand
  • der Trainingsort als „sicherer Ort“ des Schutzes vor Gewalt, Vernachlässigung und Abwertung, d. h. auch eine entsprechende sensibel und gewaltfreie Haltung der Pädagogen*innen4
  • Hinzuziehen von traumakompetenten Profis wie Traumapädagogen*innen sowohl für die*den primär Betroffenen, aber auch für die Institution und sekundär Betroffene außerhalb des Täter*innenkreises
  • Reorientierungstechniken (jemanden wieder ins hier und jetzt zu holen)

Fließt so die Traumakompetenz in die Analyse und Bearbeitung von Individual- und Gruppenverhalten im Deeskalationstraining ein, kommt es im Prozess zu einer anderen, erfolgreicheren und achtsamen Veränderung in der Gruppe, hin zu einem Klima der Wertschätzung, des Respekts und der Konstruktiven Konfliktlösung.

Bedeutung für Deeskalationstrainer*innen und Multiplikator*innen/Profis, die mit Menschen, insbesondere Kindern und Jugendlichen arbeiten

Die Möglichkeit, ein traumatische Ereignis zu erleiden, ist potenziell sehr hoch. 50% der Menschen erleben einmal in ihrem Leben Situationen mit Merkmalen, die zur posttraumatischen Belastungsstörung führen können. Die meisten Betroffenen überstehen dieses Ereignis scheinbar ohne zu erkranken, bei jedem fünften wird das Vollbild einer PTBS erkennbar.5
Die anderen Betroffenen zeigen nur wenige behandlungsbedürftige Symptome einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS). Die sogenannten subsyndromalen also unterschwelligen Symptome sind sehr viel häufiger. Diese integrieren die Betroffenen bewusst oder unbewusst in ihren Alltag. In der Folge können vermehrte Unruhe, Schlafstörung, Vermeidung von Triggern, Misstrauen, gesteigertes Sicherheitsbedürfnis, Aggressivität auftreten. Irgendwann bleiben dann nur noch die Symptome und werden nicht mehr in den Bezug zu den auslösenden Ereignissen gesetzt. Demnach treffen Deeskalationstrainer*innen im Laufe ihrer Trainer*innentätigkeit mit hoher Wahrscheinlichkeit auf Menschen mit traumatischem Erfahrungshintergrund. Dieser ist eben nicht zwingend als Posttraumatische Belastungsstörung zu identifizieren.

Deshalb ist es notwendig, dass sie Rahmen im ihrer Ausbildung, Traumakompetenzen erlangen, damit

  • sie ihre Trainings traumasensibel aufbauen und durchführen können,
  • sie Aspekte wie Retraumatisierung bedenken,
  • sie handlungsfähig bleiben, um auf spezielle, vielleicht traumabedingte Reaktionsweisen ihrer Teilnehmenden adäquat reagieren zu können,
  • sie diese Kenntnis auch an Multiplikator*innen weitergeben können (z.B. aus den Bereichen der neurobiologischen Veränderungen mit ihren Konsequenzen für Denken, Fühlen und Verhalten (Psychoedukation), Bindungstheorie, Konzept des Guten Grundes)
  • sie bewusst in ihren Trainings ein Setting der Sicherheit und Orientierung schaffen
  • sie ihr Trainingsdesign so wählen, dass sie je nach Situation, Reaktion und Verhalten der Teilnehmenden variabel, empathisch und leitend bleiben können
  • sie in der Lage sind, je nach Teilnehmenden von diesen Unterschiedliches zu erwarten, zu verlangen und aber auch zurück zu geben,
  • sie das Angebot der Freiwilligkeit und Transparenz in ihren Trainings ernst meinen und einhalten,
  • sie ggf. auf Experten*innen und individualpädagogische und -therapeutische Setting verweisen können und
  • sie durch Traumakompetenz selbst mehr Sicherheit, Orientierung, erweitere Handlungsmöglichkeit und Professionalität besitzen.


Traumakompetenz - ein Baustein im Curriculum der Ausbildung zum*zur Villigster Deeskalationstrainer*in

Folgend eine Aufzählung möglicher Inhalte im Ausbildungsbaustein Trauma:

  • Begriff "Trauma"
  • aus der Gewalterfahrung erwächst ein Trauma
  • Das Gehirn und das neuronale System erklärt für Laien
  • Merkmale einer Traumafolgestörung und Traumasignale
  • Traumasensibles Deeskalationstraining6
  • Notfallintervention (Dissoziationsstoptechniken)
  • Traumakompetenz ein wichtiger Baustein in der Ausbildung zum*zur Villigster Deeskalationstrainer*in

Traumasensibles Deeskalationstraining: eine Empfehlung für die Gewaltakademie Villigst

„Die Fähigkeit, sich in der Gegenwart anderer Menschen sicher zu fühlen, ist wohl der wichtigste Aspekt psychischer Gesundheit; sichere Beziehungen sind für ein sinnvolles und befriedigendes Leben wahrscheinlich unerlässlich.“7

"Cooler, klüger, weiser, stärker", diese Rolle wird oft den Lehrtrainer*innen GAV zugeschrieben. "Auf grün zu bleiben" ist Teil der Ausbildung zum*zur Deeskalationstrainer*in. Diese Attribute gilt es in den Kontext der Traumapädagogik zu setzen, um hier Grenzen und Möglichkeiten der Trainings und eigenen Lehr-Trainer*innenträtigkeit einzuordnen. Das Trainingssetting unter traumasensibeen Gesichtspunkten zu planen, durchzuführen und zu reflektieren, bildet m.E. ein weiteres Kapitel der Gewaltprävention und Intervention in der GAV. So kann es auch eine gute Ergänzung zur traumasensiblen Begleitung und Intervention sein und ein guter Ort für Menschen mit traumatischer Vergangenheit, die wie festgestellt sowieso zum Teilnehmer*innenkreis gehören. Diese Menschen können lernen, sich selbst besser zu verstehen und zu steuern. Damit grenzen sich die Villigster Trainer*innen einmal mehr von anderen wenig bis gar nicht traumasensiblen Trainingsformen der Anti-Gewalttrainings ab und erreichen eine weitere Qualitätsstufe.

In Beziehung gehen, einen sicheren Ort bieten und wertschätzenden Umgang leisten ist das Fundament im Ausbildungssetting zum*zur Villigster Deeskalationstrainer*in und gewinnt unter der Überschrift traumasensibles Deeskalationstraining ein Stück mehr an Gewicht.

Nicole Marjo Gerlach, Lehrtrainerin


Literatur

  • Härle, Dagmar: Trauma und Coaching. Paderborn 2018
  • Langkafel, Mathias: Die posttraumatische Belastungsstörung. Psychotherapie im Dialog, 1. New York, 2000
  • Lempertz, Daniela: Emmas kleines Wunder, Köln 2015
  • Haupt-Scher, Sabine: Traumakompetenz für die Kinder- und Jugendarbeit. Hagen 2015 und 2017
  • Van der Kolk, Bessel: Verkörperter Schrecken. Köln 2017
  • Zimmermann, David: Traumatisierte Kinder und Jugendliche im Unterricht. Weinheim 2017

1Verfasst von Nicole Marjo Gerlach marjo@muenster.de

2www.gewaltakademie.de/ueber-uns/selbstverstaendnis/

3Zebraedition Gewalt löst keine Probleme

4Haupt-Scherer u.a. 2015, III.1

5Langkafel 2000

6methodische Inhalte, marjo@muenster.de

7Van der Kolk, 2016 S.97

Fortbildungsflyer 2020

 

 

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