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Lehrtrainer*innen erzählen aus ihrer Arbeit - Simone Kascholke

Hier stellen sich abwechselnd die Lehrtrainer*innen der GAV vor. Heute: warum die Power von achtjährigen Mädchen Simone Kascholke Kraft gibt.

Simone Kascholke ist Diplom-Pädagogin, Traumapädagogin, Deeskalationstrainerin, Lehrtrainerin der GAV und Beraterin bei sexualisierter Gewalt gegen Kinder und Jugendliche

Was war die erste Berührung mit Gewalt auf pädagogischer Ebene?

Ich bin früh mit dem Thema Gewalt in Berührung gekommen. Bereits im Studium habe ich viel nebenher gearbeitet u.a. in einer Einrichtung für psychisch erkrankte Menschen. Dort habe ich sowohl Gewalt von Bewohner*innen als auch von Betreuer*innen erlebt. Damals waren Situationen, die nicht offensichtlich gewalttätig waren, aber für mich ein schlechtes Bauchgefühl hinterließen. Ich konnte das noch nicht benennen, denn mir war selbst noch nicht genau klar, wie ich Gewalt definieren sollte.

In meinem weiteren Arbeitsleben habe ich z.B im Frauenhaus gearbeitet. Dort habe ich mit betroffenen Frauen und Kindern gearbeitet, durch die ich meine eigene Haltung zum Thema Gewalt entwickeln konnte. Diese Haltung hat mir in meiner späteren Arbeit in der offenen und stationären Jugendarbeit sehr geholfen - und hat in mir den Wunsch nach mehr Input zum Umgang mit Gewalt und Präventionsmethoden geweckt.

Welche Bücher haben dich inspiriert?
Mich haben tatsächlich immer eher Menschen als Bücher inspiriert. Meistens waren das Jugendliche, die mich mit ihrer unverblümten Direktheit und ihrer Offenheit angeregt haben, mir für praktische Probleme theoretischen Hintergrund zu holen. Dafür fand ich u.a. das Powerbook von Andreas Krüger sehr hilfreich.
Praktische Anregung bringen mir immer die Bücher der Zebra -Edition.

Wie hast du den Schritt zur GAV gemacht?

Als Jugendpflegerin habe ich damals mit einer tollen Kollegin und Freundin zusammengearbeitet, die die Ausbildung zur Deeskalationstrainerin bereits absolviert hatte. Ihre Begeisterung hat mich angesteckt und die Aussicht auf gemeinsame Projekte im Bereich der Gewaltprävention hat mir zusätzliche Motivation gegeben. Das hat sich ausgezahlt, freiberuflich arbeiten wir immer noch manchmal zusammen und privat sind wir auch noch beste Freundinnen.

Du bist im Hauptberuf Pädagogin in einer Beratungsstelle bei sexualisierter Gewalt, arbeitest nebenberuflich als Trainerin. Wie geht das unter einen Hut mit dem Engagement an der GewaltAkademie Villigst?
Ich freue mich immer, die Kolleg*innen der GAV zu treffen und mich auszutauschen. Über die Jahre haben sich daraus einige tolle Freundschaften entwickelt und wer engagiert sich nicht gerne mit Menschen, die man mag für eine gute Sache? Da ich über die GAV auch mein Liebesglück gefunden habe, lassen sich die Aufgaben in einem Haushalt mit zwei LehrtrainerInnen gut zeitlich unter einen Hut bringen, denn wir sind auch im fachlichen Austausch sehr gut. (lacht)

Was begeistert dich an der Akademie?
Mich begeistert, dass ich mich schnell mit Menschen fachlich austauschen oder mir Unterstützung holen kann, wenn es nötig ist. Außerdem mag ich die Reibungspunkte, die mir immer wieder zeigen, dass theoretisches Wissen allein noch keine*n gute Trainer*n ausmacht und dass andererseits die vorhandenen „PS auch passend auf die Straße gebracht werden müssen“. Das hilft mir oft mich selbst zu reflektieren, mich in meine Klientel zu versetzen und zu erden.

Was motiviert dich?
Spontan würde ich sagen, meine schönste Motivation war eine Gruppe achtjähriger Mädchen, mit denen ich einen Kurs zur Selbstbehauptung gemacht habe.
Als die Mädchen bei einem simulierten „Anquatschen“ einem anderen Mädchen zur Hilfe eilten, plötzlich laut wurden und mich klar mit selbstbewusster Körpersprache in die Schranken wiesen mit: „Wir kennen Sie nicht, gehen sie sofort weg“ war ich so stolz und zufrieden, dass ich dieses Gefühl immer wieder haben will. Ich werde einfach nicht satt davon, das Gefühl zu bekommen, dass meine Teilnehmer*innen sich trauen, ihre vorhandenen Ressourcen zu aktivieren und effektiv zu nutzen.

Die GAV ist zertifiziert durch

In Trägerschaft des Amtes für Jugendarbeit der EKvW