Artikel

Aktuelles

Grundschulkinder für Konflikte fit machen

Die Zusammenarbeit mit der REGE mbH Bielefeld ist erfolgreich! Auch Schulsozialarbeiter*innen geben durchweg positives Feedback. Ein Rückblick.

Bild: © S. Hofschlaeger_pixelio.de www.pixelio.de

Im Herbst 2016 hat die Lehrtrainerin Heike Vogelsang für ein kleines Netzwerk von Trainer*innen der Gewalt Akademie einen Auftrag der REGE mbH akquiriert, auf den es sich lohnt, einmal zurück zu blicken.

Gestartet sind wir damals, im Schuljahr 2016/17 mit fünf Trainerinnen und 25 Klassengemeinschaftstrainings in den dritten Klassen der Bielefelder Grundschulen, sowie drei Fortbildungen für Lehrkräfte und Schulsozialarbeiter*innen. Die Rückmeldungen der Schulen und der Schulsozialarbeiter*innen waren von Beginn an so positiv, dass das Projekt stetig gewachsen ist. Im Schuljahr 2019/20 wurden in Absprache mit der REGE mbH insgesamt 85 Klassengemeinschaftstrainings an den entsprechenden Schulen geplant. Leider konnten auf Grund der Corona-Pandemie nicht alle durchgeführt werden.

Brigitte Weidenbach, Bereichsleitung Soziale Arbeit an Schulen der REGE mbH:
"Die Zusammenarbeit mit dem Trainer*innenverbund der Gewalt Akademie Villigst verläuft auf hohem professionellen Niveau. Die Trainings werden sehr zuverlässig und kompetent durchgeführt und die Rückmeldungen aus den Schulen sind äußerst positiv. Auch in den kommenden Schuljahren möchten wir deshalb gerne weiterhin auf die Expertise des Trainerinnenverbunds zurückgreifen."

Für das Schuljahr 2019/ 2020 entstand aus dem bereits durchgeführten Projekt eine weitere Idee: Es sollte ein Trainingskonzept erarbeitet werden, welches die Kinder der vierten Klassen auf ihren Schulwechsel vorbereitet. Befürchtungen und Ängste wurden thematisiert, aber vor allem sollten Stärken und besondere Fähigkeiten der Kinder in den Vordergrund treten. Sie lernen, dass Ängste zum Leben dazu gehören und sollen Möglichkeiten erarbeiten, damit umzugehen. Im Gegensatz zu den Klassentrainings wurden diese Trainings mit den zuständigen Schulsozialarbeiter*innen gemeinsam geplant und durchgeführt, teilweise in geschlechtshomogenen Kleingruppen. Neben den 85 Klassentrainings wurden im Schuljahr 2019/2020 wurden 46 Übergangstrainings in den vierten Klassen geplant.

Diese kontinuierliche Arbeit an den Bielefelder Grundschulen bietet den Lehrer*innen und Schulsozialarbeiter*innen viele Vorteile im Alltag mit den Schüler*innen. So wissen zum Beispiel alle Kinder der dritten Klassen, die in diesen vier Jahren bereits an dem Projekt teilgenommen haben (bisher ca. 4000), was eine Streittreppe ist, was eigentlich Gewalt ist und wer dies entscheidet, wozu und wie man Regeln aufstellt, was Grenzüberschreitungen sind und wie man darauf reagieren kann. In entsprechenden erlebnisorientierten Übungen hatten die Kinder die Möglichkeit zu erfahren, dass es nur hilfreich ist, wenn man miteinander statt übereinander spricht und welche Strategien in schwierigen Situationen hilfreich sein können.
Alle Lerninhalte werden in den Klassen- und Übergangstrainings nach dem Villigster Prinzip spielerisch erarbeitet. Die Kinder werden an ihre Grenzen gebracht und erhalten so eine Chance, sich weiterzuentwickeln. Konflikte sind dabei willkommen und werden gemeinsam reflektiert. Gerade in diesen Reflexionen steckt ein unglaubliches Entwicklungspotential.

Die Kinder sprechen über ihr eigenes Erleben der Situation und stellen fest, dass dieselbe Situation von anderen Kindern vielleicht ganz anders wahrgenommen wird. Sie formulieren Gefühle wie Angst, Glück, Wut, Enttäuschung, Erleichterung und geben Feedback zum Handeln der anderen. Sie formulieren Wünsche für ähnliche Situationen, stellen gemeinsame Regeln aufgrund gemeinsam erlebter Schwierigkeiten oder Erfolge
Beginnen, eigenes Verhalten in ihrem sozialen Umfeld zu reflektieren

Brigitta Annuß, Schulsozialarbeiterin der REGE mbH an der Vogelruthschule:
"Die Resonanz auf die Klassentrainings war bei allen Beteiligten sehr positiv. Konzeption und Vermittlung durch den Trainer der Gewalt Akademie Villigst führten schnell zu einem intensiven Austausch geprägt von Respekt, Vertrauen und der Bereitschaft, eigenes Denken und Handeln zu reflektieren und zu verändern."

Problemlagen im Klassenalltag wurden von den Kindern benannt und beleuchtet und Lösungswege gemeinsam verhandelt und entwickelt. Die gemeinsame Bewältigung der gestellten Aufgaben verschaffte den Kindern eine nachhaltig positive Wahrnehmung des Klassenverbandes und der Klassengemeinschaft. Die Zusammenarbeit war so gewinnbringend, dass für das kommende Schuljahr ein weiteres Training geplant wurde.

Rita Klausch, Schulsozialarbeiterin der REGE mbH an der Diesterwegschule:
"An der Diesterweggrundschule wurden in den letzten vier Jahren in allen dritten bzw. vierten Klassen Klassentrainings und im aktuellen Schuljahr auch Übergangstrainings mit einem Trainer der Gewalt Akademie Villigst durchgeführt. Die Resonanz von Schülerinnen und Lehrkräften war von Beginn an sehr positiv. Der Wert des Trainings für die Kinder und das Klassenleben wird hochgeschätzt. Der durchführende Trainer ist inzwischen ein bekanntes und gern gesehenes Gesicht an der Schule. Sein Training wird häufig in das Schuljahr von Beginn an für die Klasse eingeplant."

Max Siepelmeyer, Schulsozialarbeiter der REGE mbH an der Grundschulverbund Wellensiek:
"Die Kursangebote mit der Trainerin der Gewalt Akademie Villigst sind im Grundschulverbund Wellensiek-Hoberge-Uerentrup sehr gefragt. Der Grundschulverbund hat mit ihr durchweg positive Erfahrungen sammeln können. Gerade jetzt in der Corona Zeit ist für das kommende Schuljahr die Nachfrage nach den Trainings noch einmal deutlich gestiegen. Auch in der Gestaltung des in diesem Jahr besonderen Übergangs konnte ich mir wertvolle Tipps, Infos und Vorschläge einholen."

Denn auch wenn es viele Möglichkeiten gibt, das soziale Miteinander zu fördern, Gewalt an Schulen zu reduzieren sind sich Expert*innen in einem einig: Der zielführendste und wirkungsvollste Weg ist eine gute Präventionsarbeit. Insgesamt könnte dieses Projekt Vorbild für viele andere Städte sein. Es soll die Kinder dabei unterstützen, ein soziales, tolerantes und gewaltfreies Miteinander zu trainieren.

Heike Vogelsang und Andreas Leifeld

Die GAV ist zertifiziert durch

In Trägerschaft des Amtes für Jugendarbeit der EKvW