Coolness-Training (CT)

Coolness-Training (CT)

Konfrontative Pädagogik als Grundlegender Trainingsansatz

Coolness-Training (CT) ist ein Trainingsansatz für Jugendgruppen, auf der Grundlage der  konfrontativen Pädagogik. Die konfrontative Pädagogik arbeitet nach dem Prinzip, dass es notwendig ist soziale Regel- und Normverletzungen bei Kindern und Jugendlichen in dem Moment zu konfrontieren, wo sie stattfinden.

Nach Reiner Gall haben wir Erwachsene es durch unterlassene Grenzziehung ermöglicht, dass sich Kinder und Jugendliche Rechte und Territorien angeeignet haben, die ihnen nicht zustehen. Grenzziehung in der konfrontativen Pädagogik will Normverdeutlichung und zwar am besten in dem Augenblick, in dem das unerwünschte Verhalten gezeigt wird. Grenzen seien zu ziehen, wo Gefahren drohen, wo Menschen geschädigt werden und wo das öffentliche Leben, also auch im öffentlichen Raum, dies erfordert. Niemand hat das Recht, andere Menschen schlecht zu behandeln, den anderen auszugrenzen, zu beleidigen oder zu verletzen. Geschieht dies dennoch, erfolgt Konfrontation.

Das Training wird hauptsächlich an Schulen durchgeführt und richtet sich nicht nur an die gewaltbereiten Jugendlichen, sondern auch an die scheinbar unbeteiligten Beobachter, die potentiellen und die tatsächlichen Opfer.

Coolnesstraining (CT) ist ein geschützter Begriff und arbeitet nach einem festgelegten Curriculum. Bei Reiner Gall und einigen Mitarbeitern des Institutes für Sozialarbeit und Sozialpädagogik (ISS) in Frankfurt am Main, die diesen Ansatz entwickelten, kann man sich ausbilden und zertifizieren lassen.

Ziele des Coolness-Trainings (CT) 

  • CT ist ein Trainingsangebot für Kindern und Jugendlichen zur Verbesserung der Handlungskompetenz in konfliktträchtigen Alltagssituationen.
  • CT dient der Gewaltprävention und Gewaltintervention in Schule und Jugendhaus.
  • CT verbessert die sozialen Kompetenz von Kinder und Jugendliche und fördert eine Kultur des Hinschauens und der friedfertige Einmischung. 
  • CT dient der Reduzierung der Feindseligkeitswahrnehmung, fördert selbstbehauptendes und deeskalierendes Verhalten in Konfliktsituationen 
  • CT dient der Stärkung der Opfer, der Sensibilisierung der Täter und der Stärkung der Kompetenz der peer-group für schwierige Situationen.
  • CT dient der Verfestigung eines zivilisatorischen Standards der Friedfertigkeit. Wichtigstes Ziel im Coolnesstrainings ist die Opfervermeidung.

 

Inhalte des Coolness-Trainings (CT) 

  • Im CT geht um die konkreten Ursachen, Auslöser und Gelegenheiten für aggressives und gewalttätiges Verhalten von Kindern und Jugendlichen in bestehenden Gruppen.
  • Im CT werden mit den Kindern und Jugendlichen Verhaltensalternativen zu selbstunsicheren bzw. aggressiven Verhaltensweisen in konfliktträchtige Situationen erarbeitet und teilweise erprobt.
  • Im CT werden die eigenen Rollen als Täter, Opfer oder Zuschauer  aufgedeckt und damit einer bewussten Veränderung zugänglich gemacht. Die aktuellen Täter-Opfer-Strukturen in einer Gruppe werden teilweise offengelegt und so bearbeitbar gemacht. 
  • Im CT geht es um grundlegende soziale Fertigkeiten wie Wahrnehmen und angemessenes Ausdrücken von Gefühlen, Strukturen menschlicher Begegnung (Rituale, Territorien, Nähe u. Distanz), Selbstbehauptung und Deeskalation in Konfliktsituationen und kooperatives Verhalten in Gruppen 
  • Im CT werden die Einstellungen und Verhaltensweisen der Kinder und Jugendlichen visualisiert und teilweise thematisiert. Mögliche Themen sind hierbei Sexismus, Rassismus, Macht und Ohnmacht, Gewalt durch Erwachsene, männliches und weibliches Rollenverhalten. 
  • Im CT lernen Kinder und Jugendliche ihre eigenen Empfindlichkeiten in Bezug auf Beleidigungen, Rempeleien, Provokationen usw. besser kennen ( Was bringt dich auf die Palme?)

Methoden des Coolness-Trainings (CT) 

  • Interaktionspädagogische Übungen
  • Soziometrische Aufstellungen
  • Methoden des Boalschen Theaters
  • Kämpfen als pädagogische Disziplin
  • Methoden der Streitschlichtung
  • Wahrnehmungs- und Ausdrucksübungen
  • Schriftliche und mündliche Befragungen
  • Konfrontationsübungen Provokationsteste
  • Traum- und Phantasiereisen, Entspannungsübungen
  • Erlebnispädagogische Begleitmaßnahmen

 

Organisation des Coolness-Trainings (CT) 

Je nach Zielsetzung des Trainings bietet sich eine der folgenden Organisationsformen des Coolnesstrainings an: 

A. Einführung ins Coolnesstraining (5 - 10 Schulstunden)

  • Kennerlernen des Trainers und der Trainingsmethode
    (auch geeignet als Einführung für Multiplikatoren)
  • Thematisierung einzelnen, ausgewählter Gruppenkonflikte

B. Projektwoche (5 Tage à 3 - 6 Schulstunden)

  • CT als Maßnahme zur Gewaltprävention und Gewaltbearbeitung
  • Geeignet für Primarstufe ab 3. Klasse, Sek.-Stufe I und II 

C. Langzeit-Training (3 - 6 Monate 1x wöchentlich à 3 Schulstunden)

  • CT als Maßnahme zur Gewaltbearbeitung und Vermeidung
  • Geeignet für Primarstufe ab 3. Klasse, Sek.-Stufe I und II 

Je nach Durchschnittsalter, Zusammensetzung und Größe der Gruppe, der aktuellen Gruppensituation und den gegebenen Rahmenbedingungen werden die inhaltlichen Schwerpunke und Methoden des Trainings ausgewählt. Ein Training setzt sich je nach Umfang aus einer Vielzahl einzelnen Arbeitseinheit zusammen. Die einzelnen Arbeitseinheiten im Coolness-Trainings sind  in der Regel wie folgt strukturiert:

  • Warming up
  • Kampf- und Bewegungsspiele
  • Inhaltlicher Schwerpunkt
  • Cool-down (Entspannung)

Weitere Informationen zu CT

http://www.prof-jens-weidner.de/
http://www.iss-ffm.de/semaat.htm
http://www.coolness-training.de/