Anti-Gewalt-Training (AGT)

Anti-Gewalt-Training (AGT)

Beim AGT handelt es sich um einen delikt- und defizitspezifische Trainingsansatz für gewaltbereite jugendliche Mehrfachtäter. Die Trainingsdauer beträgt in der Regel sechs Monate bei einer mehrstündigen Gruppensitzung pro Woche, flankiert von Einzelgesprächen.  Das AGT ist ein lerntheoretisches Verhaltenstraining und orientiert sich an den den Ansätzen der konfrontativen Pädagogik zugeordnet.

Der Begriff der Konfrontativen Pädagogik (KP), bei dem es um eine Wiederbelegung der konfrontativen Methodik in der Alltagspraxis Sozialer Arbeit und Pädagogik geht, versteht sich als Ergänzung, nicht als Alternative, zu einem lebensweltorientierten Verständnis. KP begreift sich als sozialpädagogische ultima ratio im Umgang mit Mehrfachauffälligen.

Das AGT orientiert sich in seiner Arbeit am Trainingsansatz des Anti-Aggressivitäts-Trainings (AAT) wie sie am ISS in Frankfurt gelehrt werden (weitere Informationen unten)

  • Das AGT ist im Bereich tertiärer Prävention, bei der Bewährungs- und Jugendgerichtshilfe, beim § 10 Jugendgerichtsgesetz und im Strafvollzug anzusiedeln". Behandlung unter Zwang wird als sekundäre Einstiegsmotivation akzeptiert. Diese soll durch Motivation und eine spannende Trainingsgestaltung beim Probanden innerhalb vor ca. vier Wochen in eine primäre Teilnahmemotivation gewandelt werden.
     
  • Die Zielgruppe umfasst Menschen, die sich gerne und häufig schlagen und Spaß an der Gewalt zeigen, z.B. Hooligans, rechtsextreme Skin-Heads, schul- und stadtbekannte "Schläger". Sie müssen kognitiv und sprachlich dem Programm folgen können.
     
  • Die Gruppenleitung besteht i.d.R. aus zwei Geisteswissenschaftlern, davon einer mit qualifizierter AGT/CT bzw.  AAT/CT-Zusatzausbildung, incl. Selbsterfahrung auf dem "heißen Stuhl".
     
  • Der Trainingseinstieg betont die Motivationsarbeit durch Tätergespräche und erlebnispädagogisches "Locken", sowie eine spannende, konfrontative Gesprächsführung. Der zeitliche Rahmen beträgt bei einer Gruppe von fünf Teilnehmern ca. 60 Stunden.
     
  • Die Trainingsinhalte umfassen folgende Eckpfeiler: Einzel-Interviews, Analyse der Aggressivitätsauslöser und Gewaltrechtfertigungen. Tatkonfrontation und Provokationstests auf dem heißen Stuhl, Opferbriefe, -filme, -aufsätze zur "Einmassierung“ des Opferleids, Distanzierungsbrief an die gewalt-verherrlichende Clique.
     
  • Die Schlusssequenzen der Konfrontationssitzungen gilt es besonders zu beachten: eine Nachbereitung mit Entspannung und Reflexion ist unverzichtbar.
     
  • Das AGT folgt einem optimistischen Menschenbild: den Täter mögen, bei gleichzeitiger Ablehnung seiner Gewaltbereitschaft.

Weitere Informationen 

http://www.prof-jens-weidner.de/ 
http://www.iss-ffm.de/semaat.htm
http://www.coolness-training.de/

Literatur:

Jens Weidner, in: Projugend, Fachzeitschrift der Aktion Jugendschutz, Landesarbeitsstelle Bayern, 2/2003

“Gewalt im Griff “Band 1-3, Beltz Verlag