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Woher die Zebras kommen …

Mit der Zunahme rechtsextremistischer und rassistischer Gewalt und gewalttätiger Übergriffe in Deutschland und Europa haben sich Mitte der 1980er Jahre unterschiedlichste Initiativen (NGO’s*) getroffen um gemeinsame Netzwerke zu entwickeln und um der Gewalt und dem Rassismus in Europa das Wasser abzugraben.

Damals wurden erste gemeinsame Initiativen wie „Dem Hass keine Chance“ oder „Mach meinen Kumpel nicht an“ initiiert und sichtbar. Diese Initiativen verblassten allerdings schnell angesichts der dramatisch um sich greifenden, gewalttätigen Pogrome und Übergriffe Anfang der 90er Jahre. Deutlich wurde damals, dass Gewalt und Rassismus kein Problem an den Rändern unserer Gesellschaft ist, sondern seine Wurzeln „in der Mitte der Gesellschaft“ hat und auch dort bearbeitet werden muss.

Immer deutlicher war geworden, dass Beileidsbekundungen, Betroffenheit, plakative Entrüstung, Fassadenmalerei oder Appelle, die uns selber zu „Anständigen“ und die anderen zu Unanständigen erklären nur wenig verändern können. Vielfach haben wir darüber hinaus feststellen müssen, dass oft die Gewalt und der Rassismus anderer angeprangert wurden, eigene Gewaltanteile und Rassismen aber unter den Teppich gekehrt, verheimlicht oder vertuscht wurden.

Von daher wurde verstärkt nach Handlungs- und Verhaltensmöglichkeiten und nach Strategien gesucht, die auf Dauer angelegt sind, alle Menschen ansprechen können, klar in der Sprache und mässigend im Ton Gewalt und Rassismus thematisieren, und langsam aber schrittweise den Abbau von Gewalt und Rassismus befördern.

Von daher gab es Anfang der 90er Jahre ein zweites Treffen vieler Initiativen zum Thema Gewalt und Rassismus mit dem Ziel, Netzwerke von Initiativen zu entwickeln und mit einem gemeinsamen Logo zu versehen.

Auf das Zebra als sympathisches Logo* sind wir damals durch die Idee und den Vorschlag der Kinderclique “Die Ruhrkanaker” (Menschen aus dem Ruhrgebiet) gekommen. Die hatten nämlich folgendes herausgefunden:

Die auffällige Streifenzeichnung ist für Zebras entscheidend über Leben und Tod. Der “größte” Feind der Zebras ist (einmal vom Menschen abgesehen) nämlich nicht der Löwe oder gar ein Nashorn, sondern die Tsetsefliege. Das Zebramuster schützt die Zebras vor der tödlichen Nagana - Seuche, die durch die Tsetsefliege übertragen wird. Der britische Zoologe Jeffrey Waage fand heraus, dass sich im Facettenauge der Insekten die Umrisse von Zebras (der Streifen wegen) auflösen. Die Fliege kann das Zebra nicht erkennen und findet es, wenn überhaupt, nur durch Zufall. Von daher macht sie sich auch lieber an andere Opfer heran.

Erstaunlich ist in diesem Zusammenhang, dass die Zebras in einem langen Anpassungsprozeß je nach Region (und dem Vorhandensein von Tsetsefliegen) erst die Intensität ihrer Streifenzeichnung ausgeprägt haben. So gibt es fast schwarz-weiße Zebras (dort wo es viele Tsetsefliegen gibt) ebenso wie eher grau gemusterte (in trockeneren Regionen). Zebrafohlen prägen sich übrigens als Erkennungsmerkmal das Muster der Mutter (jedes Zebra hat ein anderes Muster) ein, um sie wieder zu finden. Ein blindes Zebrafohlen oder eines ohne diese “Prägung” läuft allem hinterher, was größer ist als es selbst, sogar einem Löwen.

Diese Recherche und die Idee, Zebrastreifen  (als Sinnbild für Schwarz-Weiß-Malerei, für oben und unten, für Machtmissbrauch und Verantwortung usw.) zum Logo zu machen, haben uns so gut gefallen, dass auf Worte Taten folgten. Ausserdem fanden wir gut, durch ein einfaches schwarz-weisses Logo auf teure, farbige Druckbögen bei der Herstellung von Veröffentlichungen verzichten zu können.

In der Folge kam es zu vielfältigen neuen Initiativen in Deutschland und darüber hinaus, die das Zebra als eigenes Logo aufgegriffen haben und bis heute verwenden.

Wer heute das (heimliche) Zebra Logo zeigt, macht u.a. damit deutlich:

  • Ich fang in Sachen Gewalt und Rassismus bei mir selber an und verändere mein Handeln, mein Verhalten und meine Sprache.
  • Ich mach den Mund auf gegen rassistische Äusserungen.
  • Ich schütze Menschen vor Bedrohung und helfe jenen, die sich der Gewalt und
  • dem Rassismus in den Weg stellen.
  • Ich hole Hilfe bei Angriffen und Anfeindungen.
  • Ich beteilige mich an Initiativen, um Gewalttätern und Rassisten zu zeigen,
  • dass sie zur Rechenschaft gezogen werden.
  • Ich gebe mich durch das (geheime) Zebrazeichen zu erkennen und helfe jenen,
  • die bei Konflikten aktiv werden (z.B. indem ich Hilfe hole usw.).

Warum wir in einem Atemzug von „Gewalt und Rassismus“ sprechen?

Gewalt als (verletzende, schädigende, zerstörerische) Tat birgt immer die Frage nach ihrer Rechtfertigung in sich. Jeder Versuch, Gewalt zu legitimieren, wertet andere Menschen ab und leugnet die Gleichwertigkeit und Würde des (anderen, verletzten) Menschen.

Rassismus versucht, die Gewalt zu rechtfertigen und konstruiert dabei abwertende Merkmale und Eigenschaften, um Menschen scheinbar legitimiert schädigen und verletzen zu können.

* NGO = Non Government Organisation / Nicht Regierungs- Organisation

* Hinweis: Das Zebra Logo (Courage - Dreieck) ist patentrechtlich geschützt und gehört SOS-Rassismus-NRW. Gruppen, die dieses Logo verwenden wollen, erhalten nach Rücksprache in der Regel von SOS-Rassismus-NRW die Erlaubnis dazu. Natürlich kann sich aber jede Gruppe selber ein eigenes neues Zebra – Logo entwerfen und danach nutzen.


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