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Weil sich die Wurzeln von Rassismus nicht nur im Rechtsextremismus sondern vor allem in der Mitte unserer Gesellschaft behaupten, hat das Team im Amt für Jugendarbeit der Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW) beschlossen, das (für alle Mitarbeiter/innen in der EKvW) verpflichtende Zertifikat zum Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz“ (AGG) nicht zu unterzeichnen.
Dazu hat das Team des Amtes für Jugendarbeit der EKvW eine Erklärung herausgegeben:
Wir unterschreiben nicht!
Seit Oktober 2007 wurden alle Mitarbeiter/innen der Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW) durch das Landeskirchenamt der EKvW aufgefordert, eine „Schulung zum Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz“ (AGG) durchzuführen und dann ein Zertifikat zu unterzeichnen mit dem sie erklären, die Inhalte des AGG „durchgearbeitet und verstanden zu haben“.
Nachdem alle Mitglieder im Team des Amtes für Jugendarbeit der EKvW in Haus Villigst das AGG und das entsprechende Lernheft durchgearbeitet haben (und das Hauptanliegen des AGG nachdrücklich befürworten), erklären sie heute, dass sie es in einer Hinsicht nicht verstanden haben und von daher das entsprechende Zertifikat auch nicht unterschreiben können: „Wir alle verweigern die Unterschrift, weil wir nicht verstehen können, dass in dem AGG die Existenz menschlicher „Rassen“ behauptet wird“.
In dem AGG und dem Lernheft wird mehrfach der Begriff „Rasse“ zur Kennzeichnung von menschlichen Gruppen genutzt und damit die Existenz menschlicher „Rassen“ behauptet.
Diese Behauptung ist heute nicht nur obsolet, sondern vor allem diskriminierend und rassistisch. Der Begriff „Rasse“ ist und war verbunden mit dem Bestreben, menschlichen Erscheinungsformen bestimmte Eigenschaften oder Merkmale zuzuordnen und diese zu werten. Die Verwendung des Begriffes „Rasse“ zur Kennzeichnung von Menschengruppen ist heute, vor allem auf dem Hintergrund der Rassenideologie des Nationalsozialismus und der stattgefundenen gesellschaftlichen Diskurse zu den Wurzeln, der Existenz und den Wirkungen von Rassismus (auch in der Mitte unserer Gesellschaft), verantwortungslos und nicht mehr akzeptabel.
1978 hat die Generalkonferenz der UNESCO sich einmütig zu Folgendem bekannt: „Alle Menschen gehören einer einzigen Art an“. Dies ist von grundlegender Bedeutung. Lehren, die das Gegenteil behaupten, wurden zur Rechtfertigung einiger der schrecklichsten und schändlichsten Tragödien der Menschheitsgeschichte, darunter des Holocaust, aber auch der Apartheid, benutzt. Durch eine Vielzahl von im Konsens verabschiedeten UN-Dokumenten wurde die grundlegende Einheit der Menschheit bekräftigt.
Heute fordern wir das Landeskirchenamt der EKvW zu einer Erklärung auf, in der die Evangelische Kirche von Westfalen (EKvW) sich grundsätzlich wider jede Lehre, die die Existenz unterschiedlicher menschlicher „Rassen“ behauptet, stellt.
Als Mitarbeiter/innen der EKvW betonen wir: „Alle Menschen gehören einer einzigen Art an“. Wir sind der Auffassung, dass die Billigung von Formulierungen wie im AGG, die die Existenz menschlicher „Rassen“ nahe legen, als ein Rückschritt aufgefasst werden könnte, der die Einheit der Menschheit in Frage stellt. Auch ist die Billigung solcher Formulierungen nicht erforderlich, um „Rassendiskriminierung“ feststellen oder bekämpfen zu können. Von daher setzen wir uns dafür ein, dass in zukünftigen Gesetzen und Texten die Begriffe „Rasse“ und „Rassen“ nicht mehr vorkommen.
Das Team im Amt für Jugendarbeit der EKvW, Haus Villigst; August 2008
Mehr Informationen zum AGG, zum entsprechenden „Lernheft“ und zur o.g. Problematik finden sich unter:
- http://www.gesetze-im-internet.de/agg/BJNR189710006.html (AGG im Wortlaut)
- http://www.agg-mitarbeiterschulung.de/ (Verpflichtung zur AGG – Schulung)
- http://www.agg-schule.de/lernheft/Lernheft_AGG_evangelisch.pdf (Lernheft mit Zertifikat)
- http://forum-menschenrechte.de/cms/upload/PDF/ab_05-2008/2008-06-26_FMR_Schattenbericht_D.pdf (Bericht des Forum Menschenrechte zum AGG)
- http://www.interkultureller-rat.de/Themen/Stellungnahmen/071018%20NAP%20Entwurf%205.4.pdf (Arbeitsentwurf für den Nationalen Aktionsplan zur Bekämpfung von Rassismus (2007)
- http://www.inidia.de/rasse-begriff-unesco.htm?ref=Klasistanbul.Com (UNESCO – Erklärung gegen den „Rasse“ – Begriff)
- http://www.diss-duisburg.de/Internetbibliothek/Artikel/sjaeger-rasseersatzbegriffe.htm (Stellungnahme DISS - Duisburg)
- http://www.dialog-fuer-brandenburg.de/fileadmin/dialog-brandenburg/dokumente/downloads/Verf_Kol__24.9.07_Rassenbegr.pdf (Kolloquium „Ungleich und dennoch gleich“)
Auch von daher hat der Referent für Gewalt und Rassismus im Amt für Jugendarbeit der EKvW den Präses der EKvW und das Landeskirchenamt der EKvW gebeten, begleitend zu den o.g. Schreiben des LKA und ergänzend auf dem entsprechenden Zertifikat zum AGG deutlich zu machen, dass der Begriff „Rasse“ im AGG zur Kennzeichnung menschlicher Gruppen obsolet ist und jeglicher Grundlagen entbehrt.
Dazu hat er folgenden Vorschlag für eine Erklärung gemacht:
Die Evangelische Kirche von Westfalen (EKvW) stellt sich grundsätzlich wider jede Lehre, die die Existenz unterschiedlicher menschlicher „Rassen“ behauptet. Die EKvW betont ausdrücklich: „Alle Menschen gehören einer einzigen Art an“. Lehren, die das Gegenteil behaupten, wurden zur Rechtfertigung einiger der schrecklichsten und schändlichsten Tragödien der Menschheitsgeschichte, darunter des Holocaust, aber auch der Apartheid, benutzt. Die EKvW ist der Auffassung, dass die Billigung von Formulierungen, die die Existenz menschlicher „Rassen“ nahe legen, als ein Rückschritt aufgefasst werden könnte, der die Einheit der Menschheit in Frage stellt. Auch ist die Billigung solcher Formulierungen nicht erforderlich, um „Rassendiskriminierung“ feststellen oder bekämpfen zu können. Die EKvW setzt sich von daher dafür ein, dass in zukünftigen Gesetzen und Texten die Begriffe „Rasse“ und „Rassen“ vermieden werden.
Mit dieser Initiative verbinden wir die Bitte um kritische Kollegialität und Unterstützung des Vorhabens (auch durch ähnliche Initiativen in Eurem Wirkungsbereich), um die Wurzen von Rassismus in unserer Gesellschaft konstruktiv zu bearbeiten. Darüber hinaus setzen wir uns für eine Korrektur im AGG ein und arbeiten daran.
Ralf-Erik Posselt kontakt@sos-rassismus-nrw.de
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