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Mit Argumenten gegen Stammtischparolen
startete die Ausbildungsgruppe Dorsten/Villigst am 25.04. in ein weiteres spannendes Wochenende. Um dieses Thema professionell anzugehen, wurde Gastdozent Dr. Klaus-Peter Hufer in den Rottmannshof eingeladen. Von ihm hörten die Teilnehmer, dass Stammtischparolen längst nicht mehr an den Stammtisch gebunden sind und aus der Mitte der Gesellschaft kommen. Die rechtspopulistischen Sprüche sind mittlerweile überall zu hören; an der Supermarktkasse, im Bus, auf der Straße oder zwischen Tür und Angel. Leider gelingt es oft nicht, spontan auf die Parolen zu reagieren. Blockaden hemmen diese Reaktionen. Das aufzubrechen war ein Ziel dieses Wochenendes.
Es wurden Beispiele diskutiert, die schockierten und eine wichtige Erkenntnis herausstellten:
Wir müssen Signale setzen! Eine Reaktion ist besser als keine Reaktion
Diese Signale müssen nicht inhaltlich gesetzt werden, wie ein Beispiel aus einem Bus zeigt:
Herzlichen Glückwunsch! Sie haben einen Preis gewonnen. Sie haben zwischen zwei Haltestellen soviel Unsinn geredet, wie niemand vor Ihnen! So reagierte ein Businsasse, nachdem er sich vorher einige Stammtischparolen anhören musste.
Eine solche Reaktion dient nicht dazu, rechtspopulistisch denkende Menschen zu überzeugen. Sie signalisiert aber den Mithörern „Ich nehme nicht hin, was hier gesagt wird“, und das ist von großer Bedeutung. Denn Schweigen könnte als Zustimmen gedeutet werden.
In einem Rollenspiel am Stammtisch wurden Parolen und Gegenparolen ausprobiert. Sie wurden immer lauter und emotionaler.
 Überzeugungsarbeit konnte hier nicht mehr geleistet werden. Dagegenhalten und das Parolenspringen stoppen, das sind die Rezepte für den Alltag. Die Argumente werden dabei nicht auf den Tisch gepackt. Sie dienen als Säule oder Hintergrund aus dem wir Sicherheit schöpfen können.
Was ist Mauscheln? Am Sonntag konnte sich die Ausbildungsgruppe Dorsten/Villigst noch einmal darin übern, dass Thema Rassismus aufzugreifen und mit Gruppen zu bearbeiten. Die Gruppe der Herzblätter startete damit, unbedachte Äußerungen auf Rassismus hin abzuklopfen und sich in Bezug auf heimliche Botschaften in unserer Sprache zu sensibilisieren.
Welche Ursprungsbedeutung hat zum Beispiel das Wort Mauscheln? (Lösung am Ende des Artikels)
Weiter absolvierten alle einen Anti-Rassismus-Test, der zu überraschenden Ergebnissen führte. Insgesamt ist es gelungen, die Seminargruppe mit der Übungseinheit „Erkennen und Benennen von Rassismus“ auf unbewusste Wertungen und unbedachte Äußerungen zu stoßen.
Also: Ziel erreicht, Sensibilisierung gelungen.
Nach der Mittagspause übernahm die Gruppe BASDA die Anleiterrolle. Sie luden dazu ein, in einem Insel-Szenario das eigene Verhalten gegenüber Außenstehenden zu reflektieren.
Überwiegt das Vertrauen oder macht sich Misstrauen breit?
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Anschließend wurde ein Freiwilliger sehr verantwortungsvoll in einem Provokationstest begleitet. Gemeinsam mit einer Beschützerin konnte er Sprüche und Provokationen aushalten, ohne sich aufzuregen. So konnte er genau spüren, wie sich verbale Tiefschläge anfühlen.
Der Sonntagnachmittag hat wie das gesamte Wochenende Wissen sowie Erfahrung auf hohem Niveau vermittelt beziehungsweise möglich gemacht und das Ganze mit Spaß kombiniert. Das macht Lust auf mehr.
Vielen Dank an alle Beteiligten.
Andreas Leifeld
Auflösung der Frage: Was ist Mauscheln?
Im Jiddischen ist „mauscheln“ ein Wort ohne jeden negativen Beigeschmack. „Mauschel“ ist das jiddische Wort für Mose, und „mauscheln“ heißt nichts anderes, als in der Sprache des Mose zu sprechen. In die deutsche Umgangssprache wurde das Wort allerdings mit einer ganz anderen Bedeutung aufgenommen – es steht für unehrliches, betrügerisches Verhalten. Dieser Sprachgebrauch stellt damit einen Zusammenhang zwischen einem solchen Verhalten und jüdischen Menschen her – und transportiert damit antisemitistische Vorstellungen. (Quelle: Baustein zur nicht-rassistischen Bildungsarbeit – DGB-Bildungswerk Thüringen e.V. – www.baustein.dgb-bwt.de)
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