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Lehrtraing „Deeskalation von Gewalt II“

Es ist fast Halbzeit in der Ausbildung der Regionalgruppe Dortmund/Dorsten. Und wie beim Fussball gaben die angehenden Deeskalationstrainer am 03. und 04. Mai, kurz vor der Zwischenbilanz noch einmal alles. Das zweite Wochenende zum Thema „Deeskalation von Gewalt“ stand an. Die Referenten Simone Kriebs und Axel Dumschat brachten die Ausbildungsgruppe ins Schwitzen und an ihre Grenzen.
Zu Beginn stand für alle die Beschäftigung mit den eigenen Stärken und Schwächen auf dem Programm, um so Kompetenzen und Entwicklungsaufgaben für die zukünftige Arbeit kennen zu lernen. Hier stellten viele Teilnehmer fest, dass man eher dazu neigt, seine Schwächen zu kennen, als seine Stärken.

Du hast einen schwulen Gang! 

Um den „blinden Fleck“ in Bezug auf die eigene Körpersprache zu verringern, musste jeder durch eine Gasse von Beobachtern laufen. Dabei gab es ein intensives Feedback bestehend aus Beobachtungen und Wertungen. Gewürzt wurde dieses Feedback durch provozierende Kommentare der Trainer, wie sie von Jugendlichen tagtäglich geäußert werden. Auf diese Weise gab es nicht nur eine Rückmeldung zur Wirkung der Körpersprache, sondern auch die Möglichkeit zu erfahren, wie es sich anfühlt, coole Sprüche aushalten zu müssen.
                             

Schimpfwörter von A-Z. 

Wie reagiere ich auf verbale Aggressionen? War die Ausgangsfrage. Um diese Frage beantworten zu können, wurden im ersten Schritt Schimpfwörter von A-Z gesammelt, was nicht jedem gleich leicht viel. Im zweiten Schritt beleidigten sich die Teilnehmer des Trainings gegenseitig so gut sie konnten und probierten verschiedene Strategien aus, mit Beleidigungen umzugehen. Es wurde kräftig geschrien, zurückgeschrien, ausgehalten, ausgewichen, oder nichts gemacht, je nach persönlicher Entscheidung.
Die anschließende Reflektion ergab dann, mit welchen Strategien man einem Schreihals überlegen sein kann.




Nicht das Gesicht verlieren.

Dieser Gedanke steht für viele Jugendliche im Vordergrund, wenn sie in einen Konflikt geraten. So bleibt scheinbar keine Alternative zur Auseinandersetzung. Um trotzdem ohne Gewalt einen Konflikt zu meistern, kann ein Drehbuch helfen, wie es die Referentin und „Anti-Aggressivitätstrainerin“ Simone Kriebs vorgestellt hat. Ein „ABC-Schema“ ermöglicht es, gedanklich eine Situation vorauszuplanen. Dadurch können bevorstehende Handlungen besser kontrolliert werden. So wird viel-
leicht eine Eskalation oder körperliche Auseinandersetzung verhindert.

Jeder hat seine „roten Knöpfe“.

Deshalb wurden auch die angehenden Deeskalationstrainer angeleitet, ihre eigenen Werte und Grenzerfahrungen zu überdenken und sich ein Stück weit in die Rolle potentieller Täter hineinzuversetzen. Die „roten Knöpfe“ sind nämlich gar nicht so unterschiedlich. Es ging um Verletzung, Schmerz, Ungerechtigkeit und Ignoranz und darum, sich selbst einzugestehen, dass man an diesen Punkten vielleicht auch mal die Kontrolle verlieren könnte.

Nur wer seine eigenen „ “ kennt, kann daran arbeiten.

Wie schaffe ich es, in meinem Beruf unglücklich zu sein?

Diese Frage beschäftigte alle, als es darum ging, konkrete Konfliktsituationen aus verschiedenen Berufsfeldern zu bearbeiten. Die Antworten vielen recht leicht und die Situationen entsprechend falsch vorzuspielen machte sogar großen Spaß. So konnte man noch einmal deutlich spüren wie es ist, wenn keine Absprachen zwischen den Verantwortlichen stattfinden, keine klaren Aussagen erfolgen oder Taten bagatellisiert werden. Aus dieser Erfahrung heraus wurden die Situationen dann umgedreht und der Focus veränderte sich. Wie kann es klappen? Wie kann man erfolgreich intervenieren? Aus den einzelnen Situationen heraus wurden gemeinsam die Antworten erarbeitet, wie zum Beispiel: die Streithähne sofort voneinander zu trennen, die Opfer entsprechend aus der Situation zu entfernen oder klare Ansprachen zu formulieren. Diese Fallbearbeitung war schon teilweise recht körperlich. Es sollte sich allerdings noch steigern.

Wie Frauen sich streiten können,

das zeigte zum Beispiel eine Moderatorin der Regionalgruppe mit der Referentin. Eine von beiden sollte an der anderen vorbei geführt werden, ohne dass es zu einem Konflikt kommt.  Und diese Aufgabe war eine spannende Erfahrung. Es gab auch andere Kampfhähne, die Aufgabe war aber immer die gleiche. Jedes Mal musste man beide im Auge behalten, sein Ziel erreichen und dabei sehr vorsichtig sein oder sich nicht auf Körperkontakt einlassen. Hier konnte man erfahren, wie schnell die Kontrolle über eine Situation verloren geht. Es wurde geschrieen und gerangelt. Mir persönlich forderte die Übung volle Konzentration bei sehr hohem Adrenalinpegel ab und war damit ein aufregendes Erlebnis.

Professionelles Einmischen

stand am Ende des zweiten Tages auf dem Programm und forderte noch einmal alles von den Beteiligten. Hier waren körperliche Übergriffe (nachgestellt durch Kampfesspiele mit Encountern) bereits im vollen Gange und die Aufgabe war allein, zu zweit oder zu dritt diese Übergriffe zu stoppen. Es gab sicherlich den einen oder anderen blauen Fleck dabei, aber ich kann für mich nur sagen: „Es hat sich gelohnt!“. Jeder konnte für sich noch einmal abstecken, wo seine eigenen Grenzen und Möglichkeiten liegen. Nicht jede Auseinandersetzung ist gleich und manchmal ist es sinnvoller, um den Eigenschutz zu wahren, sich zurückzuziehen und die Polizei zu rufen. Auch das ist Zivilcourage.

Vielen Dank für ein sehr körperliches, spaßiges und lehrreiches Wochenende.

Andreas Leifeld

Weitere schöne Bilder aus dem Seminar:

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