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Schulsozialarbeit an Hauptschulen in NRW
H e r a u s f o r d e r u n g  E l t e r n a r b e i t
-ein notwendiger Baustein schulischer Gewaltprävention
Artikel aus der Zeitschrift „nds – Neue Deutsche Schule“ der GEW, Ausgabe 08/05
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Die dringend erforderliche und lang erwartete schulpolitische Entscheidung im Jahr 2003, Schulsozialarbeit auf Landesebene zu fördern, bedeutet für sehr viele Hauptschulen in Nordrhein Westfalen eine immense Verbesserung der Förderung der Schüler/-innen und der Unterstützung der Lehrer/-innen.

Nicht erst seit der Pisastudie sind die Erwartungen an Schule gestiegen. Durch die Beschäftigung der Dipl.-Sozialpädagogen/-innen und Dipl.-Sozialarbeiter/-innen an den Schulen, werden vor Ort wichtige Bereiche der schulischen Aufgaben gestützt und aufgewertet. Durch die enge Vernetzung mit den Schulleitungen und den Lehrer/-innen bietet die Implementierung von Schulsozialarbeit die Möglichkeit einer sehr effizienten und effektiven Aufgabenteilung innerhalb des Schulalltags.

Darüber hinaus werden dringend erforderliche Förderangebote erweitert, den Anforderungen entsprechend ausgebaut oder neu installiert, was auch mit Blick auf besagte Studie langfristig erforderlich ist.

Hierzu zählen individuellen Hilfsangeboten in akuten Krisen- und Konfliktsituationen,  Beratungsangebote für Schüler/-innen, Lehrer/-innen und Eltern, die Vernetzung der Schule mit freien und öffentlichen Trägern der Jugendhilfe, die Planung und Koordination von externen Bildungsangeboten, Mitarbeit bei der Schulentwicklung, die Förderung der Schulkultur und die Prävention durch Projektangebote und Trainings. Neben den „klassischen“ Aufgabenfeldern wie Schulverweigerung, Absentismus und Verhaltensauffälligkeiten muss die schulische Gewaltprävention genannt werden. Hierbei werden die Jungen wie auch die Mädchen angesprochen. Über Jahre ist ein Ansatz in der Pädagogik verfolgt worden, der speziell die Stärkung der Mädchen präferierte. Zyniker könnten in diesem Zusammenhang behaupten, dass dieses Ziel erreicht wurde. Erfahrungsgemäß ist in den letzten Jahren die Zahl von körperlichen Übergriffen und Gewalttätigkeiten von Mädchen an den Schulen merklich gestiegen.

Betrachtet man diesbezüglich die konkrete Umsetzung sozialpädagogischer Interventions- und Präventionsangebote an den Schulen, so gibt es einige nennenswerte Konzepte, die Schüler/-innen unmittelbar ansprechen.

Das Angebot reicht von Streitschlichterschulungen, Buddy-Projekten, Mediationsgruppen bis hin zur Ausbildung von Schüler/-innen zu Busbegleiter/-innen und Trainings zu sozialen Schlüsselqualifikationen.

Ein wichtiges „Klientel“, ein zwingender Adressat bei den konzeptionellen Erwägungen der Schulsozialarbeit, befindet sich jedoch außerhalb des Schulgebäudes. Gemeint ist eine Zielgruppe, die gerade an den Hauptschulen leider oft nur schwer zu erreichen ist. Die Rede ist von den Eltern der Schülerinnen und Schüler. Auch bezüglich der Gewaltprävention müssen die Eltern verstärkt in die konzeptionellen Erwägungen der Schulsozialarbeit einbezogen werden. Hierzu gibt es bislang noch zu wenig nennenswerte Konzepte. Ein Ansatz ist das Elterntraining, welches sich intensiv mit den häuslichen Konflikten zwischen Eltern und Kindern befasst.

Aber warum nun ein Elterntraining, wo doch nicht sie, sondern die Schüler/-innen durch Aggressivität im Rahmen des Schulbesuches auffallen? Zum einen um die Eltern als wichtigen Kooperationspartner der Schule konkret anzusprechen und zu aktivieren. Zum anderen um häusliche Konflikte als elementares Handlungsfeld im Sinne schulischer Gewaltprävention zu verstehen und entsprechend zu substituieren. Hierbei sollen die Eltern auch als Multiplikatoren genutzt werden.

Dies soll über die Vermittlung von Wissen bezüglich Konfliktkultur, die Grundlagen der Konfliktlösung, und die Reflektion eigenen Konflikt- sowie Gewaltverhaltens in den Auseinandersetzungen mit den Kindern umgesetzt werden.

Darüber hinaus sollen die Eltern gestärkt und ermutigt werden, wieder aktiver die Rolle der Erziehung, der Begleitung und Betreuung ihrer Kinder zu übernehmen und konstruktiv zu gestalten. Häusliche Gewalt in all ihren Facetten soll verhindert und somit auch das Gewalt- und Aggressivitätspotential von Schüler/-innen gemindert werden.

Die Eltern sollen konflikthaltige Auseinandersetzungen mit ihren Kindern „neu“ bewerten lernen. Sie sollen diese nicht als bedrohlich, böse oder unnatürlich stigmatisieren. Vorhandene Stereotypen in Bezug auf Konflikte müssen in präventiven Zusammenhängen immer intensiv hinterfragt werden.

So kann ein Bewusstsein bei den Erziehenden reifen, welches nicht den Konflikt, sondern die Art und Weise des Umgangs mit selbigen problematisiert. Der Konflikt zwischen Eltern und Kindern soll nicht als unüberwindbares Problem, sogar als Legitimation von aggressivem und gewalttätigem Verhalten verstanden werden, sondern als eine Möglichkeit neue Wege und Ziele gemeinsam zu formulieren
und sukzessiv umzusetzen.

Die elterliche Verantwortung für die Erziehung muss in der Regel bei den Eltern bleiben. Auch wenn sie diese oftmals gerne an Schule abgeben möchten. Neben der pädagogischen Intervention muss im Rahmen eines solchen Angebotes für die Eltern die zwingende Notwendigkeit einer funktionierenden Kooperation zwischen ihnen und der Schule thematisiert werden.

Nur so kann gemeinsam eine optimierte Förderung der Kinder erfolgen. Auch das ist ein wichtiger Auftrag für den Bereich Schulsozialarbeit an unseren Schulen.

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Ralf Rooseboom
Dipl.-Sozialpädagoge (FH)
Deeskalationstrainer (GAV)
Münster/Westfalen
 
Fon:   02501 91 92 89  * 0176 20 42 23 07
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