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Ruhrnachrichten, 09.11.2010
Vom Umgang mit gewaltbereiten Jugendlichen
Seminar fand im Rottmannshof statt


Wulfen. Was tun mit aggressiven, gewaltbereiten Jugendlichen mit türkischem Migrationshintergrund? Was tun, wenn diese sich nicht einfach etwas agen lassen, sie nicht auf Aufforderungen reagieren? Was tun, wenn sie Grenzen überschreiten? Um die Bewältigung solcher Situationen ging es am Wochenende im Wulfener Rottmannshof. In einem zweitätigen Seminar lernten die Teilnehmer, wie eine gewaltpräventive, konfrontative Arbeit mit türkischen Jungen aussieht. Organisiert wurde das Seminar von der „Gewalt Akademie Villigst“ aus Schwerte, Referent war der Erziehungswissenschaftler Ahmet Toprak, Professor der FH Dortmund.

Lebenswelt junger Türken

Am ersten Seminartag lernten die etwa 15 Teilnehmer zunächst einmal die Lebenswelt junger Türken kennen, um so eine Basis für den Umgang mit diesen zu schaffen. Auf der interkulturellen  Handlungskompetenz baue nämlich die konfrontative Arbeit auf, erklärte Ahmet Toprak. Im zweiten Teil ging es konkret um praktische Übungen und Rollenspiele, bei denen die pädagogische Theorie angewendet werden sollte: Wie geht man mit ständigen Regelverstößen, zum Beispiel zu spät kommen, im? Allgemein herrschte im Seminar eine lockere Atmosphäre. Es gab keine starren Frontalvorträge, sondern man tauschte seine Erfahrungen untereinander aus.

Gefragter Referent

Ahmet Toprak, selbst türkischer Herkunft, ist auf seinem Gebiet sehr gefragt. Die „Gewalt Akademie“ hatte ihre Anfrage bereits vor anderthalb Jahren gestellt und jetzt erst einen freien Termin erhalten. Für dieses Seminar war sogar manch ein Teilnehmer extra aus Bremen angereist.
Auch wenn Toprak für einen vermehrten Einsatz der konfrontativen Pädagogik ist, so ist die Konfrontation doch nicht jedermanns Sache, wie er anhand eines Beispiels zeigte: „bei einer Fortbildung kam eine junge Jugendmitarbeiterin  auf mich zu und erzählte, sie habe die konfrontative Methode ausprobiert und es sei irgendwie komisch gewesen. Der kleine Hasan, bei dem sie die Methode ausprobiert hat, meint zu ihr: „Sag mal, warst du auf ´ner Fortbildung?“ Ehrlich, wie sie war, bejahte sie dies. Der Kleine erwiderte: „Na dann muss du aber noch ein wenig üben.“ ce


WAZ, 08.11.2010: Gespräche gegen Gewalt: Seminar: Gewaltpräventive, konfrontative Arbeit mit türkischen Jungen von Marie-Therese Gewert

Barkenberg. Konfrontationen türkisch-deutsch: Bedrohung, Konflikt und Auseinandersetzung? Warum neigen manche türkische Jungen häufig zu Gewalt? Wie kann sie verstanden und verhindert werden?
Diese Fragen klärte Prof. Dr. Ahmet Toprak (Erziehungswissenschaftler an der Fachhochschule Dortmund) in einem Fortbildungsseminar zum Thema „Gewaltpräventive, konfrontative Arbeit mit türkischen Jungen“ im evangelischen Kinder- und Jugendhaus Rottmannshof in Barkenberg.

An zwei Tagen erhielten rund 25 Teilnehmer in Theorie und Praxis die Möglichkeit, den kulturellen Hintergrund, sowie die „Lebenswirklichkeiten türkischen Jungen besser nachzuvollziehen“, um pädagogisch sinnvoll zu handeln. Denn: Oft fühlen sie sich ausgegrenzt und benachteiligt, haben ein anderen Verständnis von Ehre, von Mann und Frau, Erfahrungen mit Gewalt in der eigenen Familie oder ihr Umfeld haben sie geprägt.
Prof. Dr. Ahmet Toprak vermittelte das „notwendige interkulturelle Hintergrundwissen und das erforderliche pädagogische Handwerkzeug für die konfrontative Arbeit mit türkischen Jungen“. Er arbeitete auch daran, (Vor-)Urteile abzubauen und das „eigene Bild“ der Kurteilnehmer von (teils gewaltbereiten) türkischen Jungen zu hinterfragen und möglicherweise zu korrigieren.
Im zweiten Teil der Veranstaltung gab es dann praktischen Anleitungen durch Toprak: Mit Rollenspielen und Übungen erprobte das Team die eigenen Handlungskompetenzen, um der Gewalt bei türkischen Jungen vorzubeugen. Eine konfrontative Methode der Gesprächsführung war hier nur eine pädagogische Maßnahme.
Die Beteiligten reflektierten ihren Umgang mit türkischen Jungen und sammelten in beiden Teilen des Seminars (neue) Erfahrungen dazu, um in Zukunft besser auf schwierige Situationen vorbereitet zu sein.


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