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+++++++++++++++   Pressemitteilung  ++++++++++++++

Holzwickede, 27.1.2011
Haus Opherdicke
Deeskalationsteam des Kreises Unna


In Amoklagen gilt anderes Verhalten als im Alltag

Deeskalationstrainer Heinz Kraft, Ennepetal, referierte zum Thema „Amok – Wie sind Sie vorbereitet?“

„Was machen Sie, wenn..?“  Mit dieser Frage forderte der Villigster Deeskalationstrainer Heinz Kraft beim 6. Regionaltreffen der Deeskalationstrainerinnen und -trainer im Kreis Unna zum Thema „Zweckmäßiges Verhalten in Amoklagen“ die Teilnehmergruppe immer wieder auf, für bestimmte Szenarien Verhaltensvorschlage zu machen.  Als Beispielsszenarien wählte er bewusst die Situationen „Täter in einer benachbarten Klasse“  und „Täter dringt in die eigene Klasse ein“.

Erprobung von Verhaltensmöglichkeiten in Praxisübungen
Die Ideen wurden  in Praxisübungen sofort umgesetzt und auf ihre Brauchbarkeit geprüft. Vieles, was sich auf dem Papier als Anleitung leicht liest, erweist in einer Schulklasse als ausgesprochen schwierig umzusetzen, und Ziel der Veranstaltung war es, genau diese Probleme zu erkennen und zweckmäßigere Reaktionsformen zu entwickeln.  Dies galt für viele Punkte, mit denen sich die Teilnehmergruppe, vorwiegend Lehrpersonal an Schulen unterschiedlicher Schulform, (Schul-) Sozialpädagoginnen und Erzieherinnen, bisher gar nicht konfrontiert sah.

Mentaler Kraftakt: Kollektive Rettung vor individueller Rettung
Betroffenheit war den Teilnehmenden anzumerken, als der Referent die Aussage „Kollektive Rettung vor individueller Rettung“ konkretisierte und an einem Beispiel verdeutlichte. Gemeint ist, dass  es das Ziel sei, den Schaden insgesamt möglichst gering zu halten, d.h. möglichst viele der Bedrohten und Gefährdeten zu retten, dass im Einzelfall aber die Rettung einer einzelnen Person, wenn sie mit schwerwiegenden Gefahren für die Klassen verbunden sei, zurückzutreten habe. „Das war schon heftig“, meinte eine Teilnehmerin, „aber einleuchtend“.

Schüler vorbereiten
Kontrovers wurde diskutiert, ob auch die Schüler auf Amoklagen vorzubereiten seien, indem ihnen einige Verhaltensmöglichkeiten vorgestellt werden. Volker Timmerhoff vom Kommissariat Vorbeugung stellte klar, dass das im Kreis Unna nicht vorgesehen sei, um die Schülerinnen und Schüler nicht zu verunsichern.

Hingegen berichtete eine Schulsozialpädagogin aus Ennepetal aus eigener Erfahrung – dort war im März 2009 ein vorbereiteter Amoklauf durch zweckmäßiges Verhalten und Zusammenwirken von Schülerinnen, Schulleitung und Polizei verhindert worden -, dass großer Informationsbedarf, auch was Verhalten in einer Amoklage angehe, festzustellen gewesen sei. Durch die Thematisierung in den Klassen habe das Gefühl der Sicherheit zugenommen, weil vermittelt werden konnte, dass die Schule über Methoden und Mittel verfügte, auch mit sehr kritischen Lagen angemessen fertig zu werden.

Der Leiter der Notfallseelsorge im Kreis Unna, Pastor Wohlfeil, gab zu bedenken, dass dieser Punkt mit sehr viel Fingerspitzengefühl zu handhaben sei, weil die Reaktionen bei der Schülerschaft sehr unterschiedlich ausfallen können.

Einig waren sich alle, dass es einer  sehr abgewogenen Entscheidung über das Wie und den Umfang bedürfe, die Schülerinnen und Schüler auf zweckmäßiges Verhalten vorzubereiten.

Lehrpersonal kann den Verlauf beeinflussen
Den eher theoretischen Überlegungen schlossen sich praktische Übungselemente an. Das Durchführen und Hinterfragen der Szenen führte bei allen zu der Erkenntnis, dass bei Amoklagen das Schulpersonal und die Schülerinnen und Schüler dem Amoktäter nicht ganz so hilflos ausgesetzt sind, wie viele bisher geglaubt hatten. „Es ist möglich, sich vorzubereiten und im Ernstfall das Schicksal zumindest zu beeinflussen“, so Heinz Kraft. Wenn Amokläufe nicht mit Gewissheit zu verhindern sind, so könne das Vordenken von Szenarien zu einer gewissen Handlungssicherheit beitragen, den Täter aus dem Konzept bringen und für Andere genau den Zeitgewinn bedeuten, durch den sie sich in Sicherheit bringen. „Tun Sie, was Sie in dem Moment für Richtig halten!“ Patentrezepte gebe es nicht, und wer sich mit dem Thema intensiv beschäftigt habe, werde intuitiv angemessen reagieren, ermutigte er die Gruppe, denn ein Richtig oder Falsch gebe es in solchen Situationen nicht.

Zunächst führte der Villigster Deeskalationstrainer Heinz Kraft in einem Impulsvortrag in das Thema „Amoklagen“ ein (Foto) und legte im weiteren Veranstaltungsverlauf Wert darauf, in Übungen einige Szenarien durchzuspielen, um Verhaltensalternativen zu entwickeln und auf ihre Praxistauglichkeit zu prüfen.

Heinz Kraft (rechts) beim  Impulsvortrag.

In Pausengesprächen diskutierte die Teilnehmergruppe die Inhalte, die teilweise emotional nahegingen und betroffen machten, um sich für den 2. Teil der Veranstaltung, die Praxisübungen, zu rüsten. Auch Heinz Kraft  war in die Runde eingebunden und beantwortete Einzelfragen.

 

 

 


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