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Perspektiven

Wer Gewalt vermeiden, verhindern oder sogar deeskalieren will, muss genau wissen, worum es sich handelt, wo Ursachen zu suchen und zu finden sind, welche Wirkungen und Spuren Gewalt hinterlässt und woran man Gewalt, auch versteckte, heimliche Alltagsgewalt, erkennen kann.

Viele Expert/innen erklären, dass Gewalttäter vor ihrer Tat selber Gewalt erlitten haben und diese Erniedrigung nicht verarbeiten konnten. Sie sagen: Der Rückgriff auf Gewalt ist oft der hilflose Versuch, eigene Ohnmächtigkeit und Gewalterfahrungen zu überwinden.
Allein von daher ist es Absicht der Gewalt Akademie, Kinder, Jugendliche und Erwachsene so zu stärken, dass sie auf Gewalt als letztes Mittel nicht zurückgreifen brauchen und sogar die Gewalt anderer vermindern können. Weil wir heute wissen, dass gut gemeinte Appelle, unverstandene Normen und Werte, Belehrungen, Betroffenheit, Verbote oder Strafe kaum gewaltlösende Wirkungen erzeugen, haben sich Fragen nach attraktiven Methodenrepertoires, Lern- und Trainingsschritten in den Vordergrund gedrängt, deren Beantwortung durch die Teilnehmenden selber immer wieder neue Fragestellungen eröffnen. Damit bleibt den Teilnehmenden vorbehalten, selber herauszufinden und beim Namen zu nennen, was gut und was schlecht für sie ist.

Das wirkliche gesellschaftliche Problem in diesem Prozess sind nicht einige unbelehrbare und durchgeknallte Rechtsextremist/innen, Nazis, Gewalttäter/innen oder deren wüste Parolen. Das wirkliche Problem ist, dass Gewalt und Rassismus ihre Ursachen in der Mitte der Gesellschaft - dort wo Regierungen und Parlamente, Gewerkschaften, Kirchen, Parteien, Vereine und gesellschaftliche Verbände ihren Platz reklamieren - haben, sich dort entwickeln und von dort gespeist werden. Die Behauptung führender Rechtsextremisten, dass sie “... nur das praktizieren, was wir heimlich selber denken...” hat hier ebenso ihren Platz wie der Vorwurf aus vielen Menschenrechtsinitiativen, dass die Akzeptanz und die Normalität von Gewalt und Rassismus in Deutschland ein solides Fundament für rassistische und gewalttätige Ideologien bietet.

Angesichts der schleichenden Entwicklung von Gewalt und Rassismus in allen gesellschaftlichen Bereichen einerseits und wachsender Sensibilität gegenüber diesen Phänomenen, vor allem in Jugendhilfe, Schule und vorbeugender Polizeiarbeit, hat sich das Villigster Deeskalationsteam Gewalt und Rassismus (VDT) für die Gründung der Gewalt Akademie entschieden. Ziel ist es, das gesellschaftliche Klima in unserem Land zu korrigieren.


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