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Straße der Gewalt – Straße des Friedens

Gewalt Akademie Villigst auf dem Kirchentag in Köln 07

kita_01Etwa 30 Jugendliche aus dem Jugendzentrum „Auf der Höhe“ in Kettwig, dem Jugendzentrum „Tempel“ in Duisburg, aus der Jugendclique „Ruhrkanaker“ und fünf Trainer/innen von der Gewalt Akademie Villigst gestalteten im „Zentrum Jugend“ auf dem Kirchentag in Köln den Infotreff mit Aktionsparcours „Straße der Gewalt – Straße des Friedens“.

Dabei ging es vor allem darum, auf den ausgelegten, sich kreuzenden Teppichstraßen (Straße der Gewalt – Straße des Friedens) durch jugendliche Provokateure Gruppen oder einzelne Kirchentagsbesucher/innen zu stoppen und durchaus auch kritisch „anzumachen“: kita_02„Gib Handy! - Haste mal fünf Euro? – Her mit der Jacke, aber ratzfatz! usw.

Übergriffe jeglicher Art sollten und waren dabei ausgeschlossen. Schon vorher hatten die jugendlichen Provokateure ein Gewalt – Deeskalationstraining absolviert und gelernt in solch kritischen, spielerischen Übungen konzentriert die eigenen Hände auf dem Rücken festzuhalten, um ohne jeden Körperkontakt fremde Personen zum Stehen und zur Herausgabe des Geforderten zu bewegen.

Die entstandene Verblüffung der Betroffenen sollte nur kita_03kurz sein, schon bei der geringsten Reaktion der Betroffenen wurde die Übung (um jede weitere Grenzüberschreitung zu verhindern) abgebrochen und durch die zu Hilfe eilenden „Peacemaker“ unterbrochen und entschärft.

Neben den „Provokateuren“ warteten nämlich (leicht versteckt) in unmittelbarer Nähe jeweils ca. acht, durch ihre leuchtend-orangenen Warnwesten gut erkennbare „Peacemaker“, um den entstandenen Konflikt (noch vor einer etwaigen Bedrohungssituation oder gar Gewalttat) abzubrechen, aufzulösen und um Beratung anzubieten. Dabei schoben sie sich jeweils wie ein kita_04Keil zwischen die Kontrahent/innen, stellten sich dann „schützend“ um die Betroffenen, erklärten den Sinn der Aktion und leiteten zu den Fragen über:
 „Hast Du mitbekommen was hier gerade passiert ist? Was glaubst Du, wie sich diese Situation weiterentwickelt hätte? Was war Dein Gefühl, was hättest Du jetzt als nächstes gemacht?

Begleitet wurden die „Peacemaker“ jeweils durch eine/n erfahrene/n Trainer/in der Gewalt Akademie Villigst (GAV), um auch in schwierigeren Situationen das Geschehen deeskalierend steuern zu können. Allerdings war ein solches Eingreifen bei den etwa kita_05180 stattgefundenen „Provokations – Attacken“ nie erforderlich – durch den jeweils frühzeitigen Abbruch der Provokationen (und die vorherigen Trainings der beteiligten Jugendlichen) kam es nie zu Übergriffen – ganz im Gegenteil, die Verblüffung der Kirchentagsbesucher war in der Regel Anlass genug um auf das Beratungsangebot der Peacemaker einzugehen.

Dazu gab es in dem Infozelt des Projektes (neben einer Creperie, Info- und Literaturstand, Cafebereich) ausreichend Platz, Zeit und Leute, um Erfahrungen zu reflektieren, Hilfe zu vermitteln, Gefühle zu äußern und die Frage zu beantworten, wie man denn in (noch nicht gewkita_06alttätigen) solchen und anderen Konflikt- und Bedrohungssituationen Gewalt ohne Gewalt vermindern oder sogar überwinden kann.

Einige Erfahrungen aus dem Projekt „Straße der Gewalt – Straße des Friedens“:

  1. Offensichtlich „rutscht Erwachsenen häufiger die Hand aus“; viele erwachsene „Opfer“ der Aktionen äußerten im Nachgespräch, dass sie schon das Gefühl hatten, sich über kurz oder lang durch eine „Ohrfeige“ oder ähnliches den Weg frei zu machen. Deutlich beobachtbar war, dass Erwachsene in der Regel stehen blieben, der „Anmache“ standhielten und häufig durchaus in eine eher bedrohliche Körpersprache und Geste übergingen (bevor die Aktion unterbrochen wurde).
  2. Bei Jugendlichen war sehr oft zu beobachten wkita_07ie schnell sie in eine ohnmächtige Opferrolle wechselten, sich klein machten und sich „verdrücken wollten“.
  3. Bei jugendlichen „Pärchen“ war oft zu beobachten, wie der oder die jeweilige „angemachte“ Partner/in allein gelassen wurde und der/die andere sich wegschicken ließ, sich in Sicherheit brachte, um dann aus einiger Entfernung das weitere Geschehen zu verfolgen.
  4. Alle betroffenen Besucher fanden die jeweilige Aktion zwar überraschend und ungewöhnlich aber jeweils auch gut, weil sie schon mal von so etwas gehört hatten – aber eigentlich auch gerne wüssten, was man dann genau machen könnte.
  5. Die Mehrzahl der „angemachten“ Besucher/innekita_08n nahmen dankbar das nachfolgende Beratungsgespräch der „Peacemaker“ an – und wollten mehr wissen, ausprobieren und erlernen.
  6. Alle beteiligten Jugendlichen und Trainer/innen fanden das Projekt erfolgreich und toll gelungen – nur die Hitze auf dem Kirchentag unter freiem Himmel mit über 34 Grad im Schatten zehrte an der Kondition und den Schweißdrüsen.


Kritisch gestaltete sich bei dem Projekt einzig die Begleitung durch ein Kamerateam des RTL für den obligatorischen RTkita_09L – Kirchentagsfilm. Angelockt durch den Titel des Projektes und mögliche gewaltige Sensationen fanden sie es schade, dass wir die Übungen „zu früh“ unterbrachen und in die Beratungsphase überführten. „Für die Kamera“ und den Film sei es doch ganz gut, so meinten sie, eine Übung mal etwas „kräftiger“ zu gestalten, um zu sehen was dann wirklich passiert...

Der Umgang mit „quoten- und sensationsgeilen“ Filmemachern ist ein aktuell großes Problem und schwieriges Geschäft – dazu gehört ihnen klarzumachen und durchzusetzen, dass sie einen Film über die Realität auf dem Kirchentag zu drehen haben - und nicht übekita_10r ihre eigenen Fantasien und Wünsche.

Zu den Bildern (von oben nach unten):

  1. Peacemakergruppe vor dem Infostand
  2. Peacemaker auf der Straße der Gewalt
  3. Start der „Anmache“
  4. Stop der „Opfergruppe“
  5. Provokationsphase
  6. Intervention der Peacemaker
  7. Beratung der „Opfer“ im Kreis
  8. Beratung im Infozelt
  9. Abgeschlaffte Peacemaker
  10. Ralf-Erik sagt dem Kamerateam „Bescheid“
  11. Infostand der GAVkita_11


Haus Villigst 6 / 07
Ralf-Erik Posselt


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