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Gewalt Akademie  goes Israel
Ein Erfahrungsaustausch israelischer und deutscher Expert/innen zur Gewaltprävention

Zum zweiten Mal besuchten Trainerinnen und Trainer der Gewalt Akademie Villigst Israel. Anlass war eine Konferenz und gemeinsame Fortbildung mit Angehörigen der Organisationen „SOS-Rassismus-NRW und Gewalt Akademie Villigst“,  „SOS-Gewalt/Zentrum für Gewaltstudien in Israel“, „SOS-Gewalt/Zentrum für Gewaltstudien in Palästina“, der „Kriminalitätsvorbeugung der Kreispolizeibehörde Gütersloh“ sowie der „Polizeiakademie des Freistaates Bayern in Aining“. Ort der Konferenz war das David-Yellin-Lehrerseminar in Jerusalem.
 

Die Konferenz hatte den Titel  „Die Neue Autorität“, Präventionstheorien gegen Jugendgewalt in der Familie, in der Schule und auf der Straße.
Es war das erklärte Anliegen der Konferenz, den verschiedenen Formen von Jugendgewalt auf allen Ebenen entgegenzutreten und verschiedene Wege des gewaltlosen Widerstandes gegen Jugendgewalt zu diskutieren.

Da die Gruppe am 09. November anreiste, bot sich am Abend noch die Gelegenheit zur Teilnahme an einer Gedenkveranstaltung zum Holocaust, die mit


der Einweihung eines neuen Mahnmals in Jerusalem verbunden war. Es sprachen neben nationalen Politikern auch die  Botschafter aus Österreich und der Bundesrepublik Deutschland und für den musikalischen Rahmen sorgte der Jerusalemer Synagogen-Chor.
 

Am nächsten Morgen ging es dann auf geschichtliches Terrain. An der Via Maris, einer antiken Karawanen- und Heeresstraße die zwischen der Küstenebene und den Judäischen Bergen verläuft, erläuterte Georg Rössler von SOS – Gewalt /Israel die Ursprünge von Juden und Palästinensern.
 

Über einen Exkurs durch die Historie, vom alttestamentarischen Israel über den aus britischem Mandat gegründeten Staat bis in die Gegenwart, bekamen die deutschen Besucher/innen einen Einblick in die soziokulturelle Struktur der jüdisch-israelischen Gesellschaft der Gegenwart.
Dies führte zu einem besseren Verständnis des besonderen Verhältnisses, das jüdisch-israelische Eltern zu ihren Kindern haben. Dieses „überbehütende“ und allzu verzeihende Verhältnis ist jedoch oft die Ursache für den Anstieg der Gewalt unter Jugendlichen, deren Statistiken, so Georg Rössler vom „Zentrum für Gewaltstudien in Israel“, „schlicht grauenhaft“ sind.

Um für dieses Problem erfolgreich einen Veränderungsprozess einzuleiten, bedarf es eines radikalen Umdenkens der Eltern und die Hinwendung zu einer neuen Erziehungsmethode, einer „Neuen Autorität“.
Die Theorie dieser „Neuen Autorität“ war es auch, die Prof. Dr. Haim Omer von der Psychologischen Fakultät der Universität Tel Aviv in insgesamt fünf Vorträgen  an zwei Tagen erläuterte.

 

C.W. Borgstedt und Prof. Omer im Dialog

Einen anderen gewaltpräventiven Ansatz stellten Georg Rössler und
Yony Tchouna von SOS-Gewalt/ Israel an Hand eines kurzen Settings vor:

In der Pause auf dem Schulhof geht Janis mit beiden Fäusten auf Enno los, schlägt ihn in die Rippen und setzt auch noch einen Fußtritt hinterher, so dass Enno zusammenbricht und am Boden noch sein Gesicht zu schützen versucht, weil Janis nun erst richtig loslegt. Am Zutreten hat er gefallen gefunden und Enno kann sich kaum so schnell drehen wie es Tritte hagelt.
Und niemand greift ein.
Warum?
 

Georg Rössler spricht von einem dreitägigen Training, das der Passivität als

Teil der Sozialisierung entgegenarbeitet. Schülern wurde über Jahre anerzogen, dass es eine Sache zwischen dem Lehrer und dem jeweiligen Übeltäter ist, wenn eine Gemeinheit, ein Übergriff oder eine Prügelei stattgefunden hat. Zuständig sind „beauftragte Kräfte“ und nicht die Allgemeinheit.

In praxisorientierten Elementen wurden Übungen und Methoden ausgetauscht und ausprobiert, in gemischten Gruppen Trainingssequenzen durchlaufen und reflektiert. Dieser Austausch zwischen israelischen und deutschen Teilnehmer/innen in kollegialer Atmosphäre fand insgesamt großen Anklang.

Fachlicher Austausch fand aber nicht nur im David-Yellin-College statt.
Durch die Vermittlung von SOS Violence Palästina fanden wir in Taybeh, einer Ortschaft im Westjordanland, ein Projekt zur Gewaltprävention durch Verbesserung des sozialen Umfeldes umgesetzt.
 

Abuna Raed Abu Sahlieh, der Pfarrer des Ortes, erläuterte den deutschen Gästen dieses auf 5 Jahre angelegte Konzept.
Daneben gab es natürlich auch ausreichend Gelegenheiten, über die besondere Situation der Palästinenser im Westjordanland zu sprechen.

Diese Situation wurde noch deutlicher beim  Besuch des Büros von SOS-Gewalt/Zentrum für Gewaltstudien Palästina.

Das Büro liegt in Silwan, in unmittelbarer Nähe des Urkerns Alt-Jerusalems, der so genannten Davidsstadt. Dort drohen umfangreiche Ausgrabungen im Hinnom-Tal vor den Mauern des Tempelberges, massive Schäden an den Häusern der palästinensischen Siedlung zu verursachen.

Dies nahmen jugendliche Palästinenser/innen zum Anlass, ein „Demonstrationszelt“ auf einem von SOS-Gewalt zur Verfügung gestellten Grundstück zu errichten (Digging a tunnel is killing a village) und gewaltfrei zu informieren und zu demonstrieren.
Da es in der gesamten Ortschaft keine Begegnungsstätte oder ähnliches gibt, wurde dieses Zelt schnell zu einem Treffpunkt für palästinensische Jugendliche, wo man Musik hören und sich unterhalten konnte.
 

Das Zelt wurde wenige Tage vor unserem Besuch niedergebrannt.
Die Jugendlichen bauen es derzeit wieder auf.

Neben den organisierten Treffen gab es auf geschichtsträchtigem Pflaster auch eine Menge spontaner Begegnungen und Erlebnisse „in freier Wildbahn“, die dazu

 beitrugen, die besondere Situation in diesem Land, Gewalt in einer anderen Qualität und die Besonderheiten einer entsprechenden Prävention und Deeskalation besser zu verstehen.

Für diese außergewöhnlichen Erlebnisse gilt besonderer Dank:

Georg Rössler, Director                     SOS-Violence Israel

Cord u. Karin Gisbertz, Bad Wildungen

Carl-Wilhelm Borgstedt, Leiter der Kriminalprävention/Opferschutz der Polizei Gütersloh
sowie der

Gewalt Akademie Villigst

SOS-Violence Palästina

Hans-Seidel-Stiftung


Bericht: Alf Kontermann für die
Gewalt Akademie Villigst

 

 


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