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Zur Startseite der Gewalt Akademie Villigst Amt für Jugendarbeit - Evangelische Kirche Westfalen

Falldarstellung für das Praxisfeld Aus-, Fort- und Weiterbildung:

Aus: http://www.friedenspaedagogik.de/themen/friedenserziehung/friedenspaedagogik_1900_bis_heute/2000_heute/frieters_reermann_nor bert_frieden_lernen_2010

Trainerausbildung der Gewalt Akademie Villigst

Die Gewalt Akademie Villigst ist eine Initiative des „Villigster Deeskalationsteams Gewalt und Rassismus“ im Amt für Jugendarbeit der Evangelischen Kirche von Westfalen.
In der Gewaltakademie werden Trainerinnen in verschiedenen Bereichen der Gewaltdeeskalation und Konfliktbearbeitung in einer mehrmonatigen berufsbegleitenden Fortbildung qualifiziert. Die Trainerausbildung richtet sich nicht nur an pädagogische Berufsgruppen, sondern auch an Mitarbeiter in Polizei, Verwaltung und Justiz, um diese für gewalt- und konfliktbezogene Fragestellungen und Herausforderungen im Kontext ihrer Arbeit zu sensibilisieren. Die Ausbildung der Akademie basiert auf der Annahme, dass Gewalt und gewaltsame Handlungen eine kontinuierliche Alltagserfahrung sind.
Durch das Nachforschen, Erfahren, Untersuchen und Benennen von Gewalt und ihren Bedingungsfaktoren und Auswirkungen kann erreicht werden, dass Menschen sensibler mit ihren Gewaltpotenzialen umgehen. Auf dieser Basis können sie erlernen, ihre Verantwortung für ihr Handeln in Gewalt- und Konfliktsituationen wahrzunehmen und die eigene Entscheidung zur Verringerung oder zum Verzicht auf Gewalt herausbilden. Die einzelnen Module der Ausbildung beinhalten Impulse, Übungen und Methoden, die nicht die Vermittlung eindeutiger Lösungen und Handlungsstrategien nahe legen, sondern Wege zur konstruktiven Bearbeitung von Gewalt eröffnen sollen.
Das Training ist von seinem Ergebnis her offen, weil die Teilnehmenden selber erproben und entscheiden sollen und müssen, was gut oder eher schlecht für sie ist, um Konflikt-, Bedrohungs- oder Gewaltsituationen an Körper und Seele gesund zu überstehen und zu deren Deeskalation, Lösung und Transformation beizutragen.
Die Lernziele und Inhalte der Ausbildung beziehen sich auf

  1. den Erwerb von didaktischem und methodischem Grundwissen,
  2. die Förderung der Kommunikationsfähigkeit,
  3. die Fähigkeit Gewalt erkennen und benennen zu können,
  4. die Erarbeitung und Akzeptanz von konfliktbezogenen Regeln,
  5. die Sensibilisierung für die Wahrnehmung von körperlichen und seelischen Grenzen, Grenzüberschreitungen und Verletzungen,
  6. die Sensibilisierung der Wahrnehmung in Bezug auf Rassismus,
  7. das Erfahren und Erproben von Handlungsoptionen und -strategien der konstruktiven Konfliktbearbeitung und der Gewaltdeeskalation und von Verhaltensmöglichkeiten in Bedrohungssituationen und 
  8. das theoretische Hintergrundwissen in Bezug auf Gewalt und Rassismus.

Die Trainerausbildung setzt einen deutlichen Schwerpunkt auf emotionale und körperliche Lernprozesse sowie auf praktische und handlungsbezogene Lernerfahrungen.  Um Menschen für deeskalative und konfliktbearbeitende Handlungsweisen zu befähigen, werden in verschiedenen Übungen und Rollenspielen Gewalt- und Konfliktsituationen simuliert und nachgestellt.
Ein solcher Ansatz fordert die Teilnehmenden immer wieder heraus, sich intensiv mit den eigenen physischen und psychischen Reaktionen auseinander zu setzen und eigene Gewalterfahrungen und das Empfinden und Verhalten in Konflikt- und Bedrohungssituationen zu reflektieren, zu überprüfen und weiterzuentwickeln. Das Ausbildungs-Konzept der Gewaltakademie stößt auf eine breite Resonanz. Seit 1998 wurden mehrere hundert Trainer ausgebildet, die ihre Kompetenzen in verschiedenen Bereichen weitergeben. Aus systemisch-konstruktivistischer Sichtweise ist vor allem der hohe Anteil emotionaler, körperlicher, interaktiver, aktionsbezogener und experimenteller Anteile und die starke Förderung konstruktiven, kreativen und situativen Lernens der Trainerausbildung hervorzuheben.  Insbesondere die Simulation von Gewaltkontexten fordert es den Teilnehmern kontinuierlich ab, sich selbst und andere in diesen Situationen zu beobachten und sich auf die eigenen Gefühle, Handlungen und Körpererfahrungen und die der anderen einzulassen.  Darüber hinaus beinhalten solche Simulationen ein hohes Maß an Kontingenz, Offenheit und Unplanbarkeit und fordern von allen Beteiligten entsprechende Flexibilität und Handlungsweisen.
Dadurch werden die Unvorhersehbarkeiten und situativen Dynamiken realer Gewalt- und Konfliktsituationen nachvollziehbar und konkreter erfahrbar als durch verstärkt oder ausschließlich kognitive Zugänge. Kognitive Lernprozesse dienen in der Fortbildung primär der metakognitiven Reflexion von Erfahrungen und weniger der Auseinandersetzung mit konflikttheoretischen Inhalten und Wissensbeständen. Dass eine solche erfahrungs-, praxis- und handlungsbezogene Ausbildung nicht nur von pädagogischen Berufsgruppen absolviert wird, belegt die Attraktivität und Übertragbarkeit des Konzeptes über den engeren pädagogischen Bereich hinaus.
Grüße vom
Ralf-Erik Posselt


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