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Rezept für ein spannendes und erkenntnisreiches Wochenende
zum Thema „Gewalt und Gewaltprävention“

mit einem Praxisbeispiel der Regionalgruppe Dorsten/Villigst (9.-10.04.2011)


Zutaten:
- 17 wissensdurstige TeilnehmerInnen
- 3 fachkundige DeeskalationstrainerInnen
- 4 etwa gleichgroße Themenblöcke
- 1 Jugendzentrum Rottmannshof
- reichhaltige Verpflegung
- viel Sonne

Zubereitung:
1. Tag
Zu Beginn sollten Sie darauf achten, die Stimmung der TeilnehmerInnen mit viel Kaffee und einem reichhaltigen Frühstück optimistisch zu gestalten, so dass ein pünktlicher und motivierter Einstieg in das Wochenende gewährleistet ist. Zeigen Sie zum Einstieg ein Video durch welches die TeilnehmerInnen zusätzlich motiviert werden sich mit dem Thema Gewalt auseinander zu setzen.

Gewalt geht uns alle etwas an!

Bitte beachten Sie, dass zuvor von den TeilnehmerInnen eine gemeinsame Definition erstellt werden muss, mit welcher sich alle TeilnehmerInnen identifizieren können. Es hat sich bewährt, die TeilnehmerInnen zunächst je eine eigene Definition verfassen zu lassen, diese dann in 2er Gruppen weiter bearbeiten zu lassen, anschließend in 4er Gruppen … bis schließlich am Ende für die gesamte Gruppe eine Definition steht. Diese könnte dann wie folgt lauten:

Gewalt ist eine individuelle Wahrnehmung
einer ungewollten Grenzüberschreitung

Den motivierten TeilnehmerInnen nun die Gelegenheit geben, sich in Ihren Lerngruppen mit einem selbstgestalteten Plakat zu präsentieren.

Beispiel aus der Praxis:

  • REGÖBOUN: sächsisch für Regenbogen, originelle Namensfindung durch Aneinanderreihung der Autokennzeichen der Gruppenmitglieder, Teilnehmer sind zeitweise in Zebrakostümen und blauen Latzhosen an zu treffen
  • Crazy WestfAliens: Gruppe aus dem Großraum Westfalen, TeilnehmerInnen beschreiben sich im Allgemeinen als stur und „etwas anders“, wissen stets wo der Schweif des Zebra-Pferdes hängt
  • Svifa²: kreative Namensfindung durch Aneinanderreihung der Anfangsbuchstaben der Vornamen der Gruppenmitglieder, hohe Bereitschaft die Gewalt wegzufegen
  • Anti-Gewalt Pott: wortkarge und trockene Gruppe mit großer Verbundenheit zum Ruhrpott, Gruppen-mitglieder stehen unter starkem Koffeineinfluss

Nun geht es ans Eingemachte:
Damit die TeilnehmerInnen reifen und ihr volles Potential entfalten können geben Sie ihnen die Möglichkeit sich im Anleiten von Übungseinheiten zu erproben. Es hat sich bewährt den TeilnehmerInnen ihre Aufgaben bereits Wochen zuvor mitzuteilen, so dass sie sich gut vorbereiten können. Trotz gründlicher Vorbereitung kommt es gelegentlich vor, dass sich ein gewisses Maß an Nervosität und Aufregung ausbreitet. Dies gehört dazu und bedarf keiner besonderen Reaktion Ihrerseits. Gehen Sie stets davon aus, dass die Teilnehmerinnen durch die BetreuerInnen ihrer Lerngruppe gut vorbereitet wurden. Teilen Sie die Übungseinheiten thematisch in 4 etwa gleichgroße Blöcke. Für jede/n TeilnehmerIn sollten 20 Minuten berechnet werden.

Beispiel aus der Praxis:

  • „Sensibilisierung und Wahrnehmung von Gewalt“ von Svifa²:
    Den Einstieg bildete das Spiel „Andersgleich“ bei welchem die TeilnehmerInnen angehalten wurden, sich in 2er Gruppen etwas genauer ihre Gemeinsamkeiten und Unterschiede an zu schauen. Anschließend folgte die Herausforderung einem Marsmenschen, verbal dazu zu bringen sich ein Brötchen zu schmieren. Im Anschluss ging es darum, möglichst viele Wäscheklammern zu ergattern, gemeinsam einen Stab ab zu senken und den geheimen Dirigenten zu entlarven.
  • „Gewalt erkennen und benennen“ von Anti-Gewalt Pott:
    Zu Beginn wurde die Übung Ja-Nein-Kreis angeleitet. Anschließend folgte die Macht und Ohnmacht Übung. Beim Matten-Raufen ging es darum, als letzter auf der Matte zu bleiben, hier konnte sich eine der zierlichsten Teilnehmerin gegen die Anderen behaupten. Im Anschluss schlüpften die TeilnehmerInnen jeweils in die Rollen von Rashid und Sebastian, welche sich bei der Arbeitsagentur um den gleichen Job bewerben wollten. Hier wurde überraschenderweise festgestellt, dass Potsdam ein Bezirk von Berlin ist.

Als Nächstes sollten Sie noch eine Übung anleiten. Nutzen Sie an dieser Stelle z.B. ein Gedicht und geben Sie den TeilnehmerInnen ein weiteres Mal die Möglichkeit zur Selbsterfahrung.

Beispiel aus der Praxis:

  • 3 „Freiwillige“ erhielten die scheinbar einfache Aufgabe für die Gruppe ein Gedicht vor zu lesen. Von Keith gab es vorher die Anweisung die ersten 2 „Freiwilligen“ an einer bestimmten Stelle des Gedichts zu unterbrechen, bzw. sie permanent beim Vortrag zu stören. Der dritte „Freiwillige“ sollte von den Anderen nicht unterbrochen werden. Da er die gescheiterten Versuche seiner Vorgänger jedoch mitbekommen hatte, blieb bei ihm während seines Vortrags ein ungutes Gefühl.

Räumen Sie den TeilnehmerInnen in einem anschließendem Nah & Fern Blitzlicht die Möglichkeit ein, sich in einem kurzen Statement über den Tag zu äußern. Nun entlassen Sie ihre TeilnehmerInnen nach Hause, damit Sie am morgigen Tag wieder frisch und munter weiter machen können.

2. Tag
Achten Sie darauf, dass die TeilnehmerInnen alle anwesend sind und beginnen Sie möglichst pünktlich mit einem Wup um so eine optimale Aufmerksamkeit der TeilnehmerInnen zu erzielen.
Geben Sie anschließend wieder den TeilnehmerInnen die Möglichkeit sich zu erproben.


Beispiele aus der Praxis:

  • „Eigene (heimliche) Anteile von Gewalt“ von Crazy WestfAliens:
    Den Einstieg in dieses Thema bildete die Übung Bermudadreieck, bei welcher schnell deutlich wurde, dass die TeilnehmerInnen bereit sind an ihre körperlichen Grenzen und darüber hinaus zu gehen. Im Anschluss folgte eine ruhigere Übung Visualisierung soziale Herkunft. Weiter ging es mit den Spielen Ausbruch und Schokoriegel, bei Letzterem wurde es zwischen einem Teilnehmer und einer Teilnehmerin so heiß, dass ein Schokoriegel zerschmolz und sie die Anderen um sich herum nicht mehr wahrnahmen. Zum Schluss dieser Einheit wurde an die TeilnehmerInnen die Herausforderung „7 Menschen mit 4 Füßen“ gestellt, welche sie mit Bravour meistern konnten.
  • Thema „Handlungsalternativen zur Gewalt“ von REGÖBOUN:
    Nachdem eine Teilnehmerin von allen Anderen als „Dschungelkönigin“ akzeptiert wurde brach in einem Obst- und Gemüseladen eine Schlacht um einen Kürbis aus. Lautstark forderten die anwesenden Parteien vom Gemüsehändler den heißbegehrten Kürbis. Im Tausch gegen eine Heizungsreparatur konnte Familie Öztürk die Schlacht für sich gewinnen. Die anderen Parteien mussten ohne Kürbis das Feld räumen. Viel getauscht wurde auch beim anschließenden Puzzle-Spiel, wobei manche Teilnehmerin kriminelle Energien entwickelte um an das fehlende Puzzleteil zu kommen. Als Nächstes folgte das Schmuggler-Spiel, bei dem auch Unwissende für kriminelle Machenschaften benutzt wurden.

1Anschließend führen Sie mit den TeilnehmerInnen noch eine Vertrauensübung durch, lassen Sie es dabei ordentlich krachen und reflektieren Sie das Erlebte mit den TeilnehmerInnen.

Für den Reifungs- und Entwicklungsprozess der TeilnehmerInnen ist es unabdingbar jeweils im Anschluss an die Übungseinheiten ein Gruppen-Feedback sowie ein Einzel-Feedback auf einem Plakat zu geben.
Für unsere TeilnehmerInnen aus dem Praxisbeispiel gab es viel Lob, aber auch konstruktive Kritik.
Mit einer Abschlussrunde können Sie ein spannendes und erkenntnisreiches Wochenende ausklingen lassen.


Vanessa Bültmann für Svifa²


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