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Niemals geht man so ganz…………

Wir schreiben den 1.12.2010. Die Landschaft, durch die wir fahren, sieht aus wie in einem Wintermärchen der Gebrüder Grimm. Schnee und Eis haben das Land in ihrem eisigen Griff. Es scheint, als habe sich das Wetter entschlossen die Stimmung des Tages zu unterstützen. Wir fahren zu einem Abschied. Zu unserem Abschied! Zu unserem Abschied von der Ausbildung zum  Deeskalationstrainer für Gewalt und Rassismus.
Doch, wie immer im Leben, bedeuten Abschiede auch immer einen Neuanfang. Und so genieße ich die klirrende Kälte, die klare Luft und freue mich über den leisen Schneefall. Ich könnte natürlich auch über die beißende Kälte meckern, aber mit dem Wetter ist es wie mit Abschieden, es wird weitergehen.
In den heiligen Hallen der Gewaltakademie Villigst angekommen, fallen mir gleich die vielen Menschen auf, die geschäftig durch die Gegend wuseln und sehr konzentriert ausschauen. Ich lasse mich vom Treiben anstecken und räume erst einmal das Auto aus. Technikequipment!  Denn, wie oben schon mal erwähnt, bedeutet ein Abschied also das Ende der Ausbildung zum Deeskalationstrainer auch immer ein Neuanfang. Für mich ist dieser Neuanfang der Beginn der Ausbildung zum Moderator der Gewaltakademie. 
Nachdem wir (inzwischen zu zweit, mit Verstärkung von Gert) die Technik aufgebaut haben, schlendern wir zurück in den Saal der GAV. Begrüßung der Neuen. Für mich spannend, sehe ich doch zum ersten Mal die Menschen, die den „Spirit“ der GAV im nächsten Jahr erlernen wollen. Nach der Begrüßung stellen wir uns und unsere Ausbildungsgruppe Dorsten den potentiellen neuen Deeskalatoren und Deeskalatorinnen vor. Werbung in eigener Sache. Ich glaube, wir kommen sehr glaubhaft rüber, zumindest würde ich so das leuchten in den Augen meiner MitstreiterInnen erklären, während wir über das bevorstehende Jahr referieren.
Nachdem wir alle offenen Fragen geklärt, alle Zweifel zerstreut haben, geht es für uns und „die Neuen“ rüber in den Speisesaal. Essenfassen. Gut gewählter Zeitpunkt für das Essen, denke ich mir, denn wenn unsere Argumente „die Neuen“ noch nicht überzeugt haben, das grandiose Essen in Villigst beseitigt wahrscheinlich alle letzten kleinen Zweifel.
Im Speisesaal treffen wir unsere (inzwischen, da ja ein Jahr um ist) FreundInnen aus der Ausbildungsgruppe Dorsten/Villigst 2010. Ein großes Hallo und HeiHo, haben sich doch schon einige MitstreiterInnen eingefunden. Nach dem Essen haben unsere TrainerInnen und ModeratorInnen noch eine Überraschung für uns: Trainingsjacken! Aber nicht irgendwelche! Ab jetzt sind wir alle stolzen BesitzerInnen von DeeskaltionstrainerInnen-Trainingsjacken! Super Sache! Auch wenn der Reißverschluss erst einmal ein bisschen ziept.
So langsam fangen meine Knie an weich zu werden. Der Zeitpunkt, auf den wir ein Jahr hingearbeitet haben, rückt immer näher. Unsere Zertifizierung. Erstmal ein kaltes Hefeteilchen zur Beruhigung. Danach wieder in den Saal, alle anderen sind schon da und das Prozedere beginnt. Ich finde es spannend zu sehen, wer alles im letzten Jahr die Ausbildung in den anderen Regionalgruppen gemacht hat und wie sie sich präsentieren. Ein besonderes Highlight für mich und als ein weiteres Zeichen dafür, dass der „Spirit“ der GAV nicht der falscheste sein kann, ist die Vorstellung und die Zertifizierung der Ausbildungsgruppen aus Israel und Palästina. Ich wünsche den Mitgliedern der beiden Gruppen im Stillen alles Gute und dass ihre Arbeit ein kleines Stück weit Frieden in die Region bringen kann.
Dann sind wir dran! Unsere Präsentation, die Commander Keith vorbereitet hat, sagt alles über uns! Ich fasse es mal unter dem Stichwort „Essen“ zusammen. Danach auf die Bühne. Name wird vorgelesen. Hände geschüttelt. Rot oder Weiß? Bitte zusammenrücken. Cheese! Blitz! Das wars. Wir sind nun alle Deeskalationstrainerinnen und Deeskalationstrainer! Zufrieden und glücklich lassen wir uns auf unsere Stühle fallen und freuen uns mit den anderen Menschen, die nun noch zertifiziert werden.
 


Als nächstes sind die ModeratorInnen dran. Wir klatschen und freuen uns über die neuen ModeratorInnen, aber besonders laut wird es, als unsere Marijke und Theresa an der Reihe sind. Für uns ganz klar die besten! Aber die Laudatio ist noch nicht zu Ende. Jetzt kommen die neuen LehrtrainerInnen an die Reihe. Auch hier sind wir aus Dorsten wieder sehr laut, doch bei Alex und Andreas rasten wir beinah aus. Standing ovation! Toller Hut!



D a nn Samba.
Die Sambagruppe ist gerade aus dem Saal, da beginnt der nächste wichtige Teil der Veranstaltung. Die Verabschiedung von Ralf-Erik Posselt. Bewegende Worte, bewegende Bilder, lustige Geschichten, nachdenklich stimmende Anekdoten. Auch hier ein Abschied! Aber ganz bestimmt auch ein Neuanfang.
Dann sitze ich wieder im Auto, fahre durch die Nacht nach Hause, denke über das letzte Jahr nach, über den heutigen Abend, über die vielen Abschiede, über die vielen Neubeginne, über die vielen verschiedenen Wege, die von den verschiedenen Menschen nun begangen werden und freue mich.
Denn wie gesagt, jeder Abschied ist auch ein Neubeginn! Und niemals geht man so ganz. Wir sehen uns bestimmt wieder.
Ich wünsche allen Menschen die am 1.12.2010 einen Abschied erlebt haben, alles Gute für ihren Neubeginn und ihren weiteren Weg.
Auf dass der „Spirit“ der GAV in die ganze Welt verbreitet wird.

Manuel Hestermann /ABG Dorsten-Villigst


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