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+++++++++++++++ Pressemitteilung ++++++++++++++
Stuttgart, 24. Februar 2011 Bildungsmesse/didacta 2011, Aktionsfläche Halle 7
Zivilcourage zeigen – aber richtig! Bedrohungs- und Gewaltsituationen gekonnt meistern
Nina Gillitzer, Trainertreffen Nürnberg, interviewte Heinz Kraft, Villigster Deeskalationstrainer, auf der Bildungsmesse/didacta 2011
Dominik Brunner, der bei einem Überfall von zwei Männern auf Kinder in München auf dem S-Bahnhof Zivilcourage bewie sund dabei zu Tode kam, hat vor gut zwei Jahren die Schlagzeilen bestimmt. Um das Thema scheint es ruhiger geworden zu sein.
Der Eindruck täuscht. Zivilcourage ist immer noch ein hochaktuelles Thema, nur wegen der besonders schweren Folgen für den Helfer hat der Fall bundesweit Schlagzeilen gemacht. Die lokalen Medien bringen aber fast täglich Beispiele, in denen Täter die Helfer attackieren und verletzen, oft schwer verletzen. Zum Begriff: „Was ist unter Zivilcourage zu verstehen?“
Zivilcourage bedeutet, den Mut zu haben, überall entschlossen und unerschrocken seine Meinung zu äußern und danach zu handeln. Die klassische Konstellation enthält die Elemente, vereinfacht dargestellt, Täter – Opfer – Helfer.
Betrachten wir zunächst den „Täter“. Der Täter sucht ein Opfer.
„Was bedeutet der Satz: „Täter suchen Opfer - keine Gegner“?
Wichtig ist, einem potenziellen Täter nicht als Opfer zu erscheinen, sondern den Eindruck zu vermitteln, dass er die Tat nicht komplikationslos begehen kann.“
Das lässt sich am Modell der „5 Phasen der Tat“: Planung – Kontaktaufnahme – Angriff – Tat und Phase nach der Tat gut entwickeln. Insbesondere in den drei mittleren Phasen ist die Chance bei zweckmäßigem Verhalten groß, heil oder zumindest glimpflich aus einer Bedrohungs- oder Gewaltsituation herauszukommen. Ziel muss es sein, den Täter aus seinem Konzept zu bringen, seinen Tatplan zu durchkreuzen. Damit wird zumindest Zeit gewonnen, die zur Flucht genutzt werden kann.
Stichwort „Flucht“ – Gilt Flucht nicht als Zeichen von Feigheit?
Wer aus einer Bedrohungs- oder Angriffssituation flüchtet, zeigt Klugheit – zu flüchten hat in derartigen Situationen mit Feigheit nichts zu tun.
Wichtig ist, dies gerade Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu vermitteln, die ja ihre eigenen Werte haben und sich oft lieber zusammenschlagen lassen, als sich in Sicherheit zu bringen. Der Begriff „Ehre“ ist in diesem Zusammenhang ein echter Stolperstein. In unseren Trainings sind Mut, Ehre und Feigheit ein Kernthema, weil dies mit der inneren Einstellung der jungen Leute zu tun hat, die wir nicht ändern können, sondern nur sie selber.
 Wie sieht so ein Training aus?
Wir setzen auf Aktivitäten der Teilnehmerinnen und Teilnehmer und bieten ein Forum, ohne „Zensur“ die eigenen Gedanken zu äußern, und führen sie behutsam dazu, ihre Gefühle, die sie z. B. in erlebten Bedrohungs- oder Gewaltsituationen hatten, auszusprechen. Weitere Inhalte sind Wahrnehmung und Interpretation und, wenn Vertrauen aufgebaut ist, auch Entwicklung von Verhaltensmöglichkeiten in kritischen Situationen. Wir thematisieren sowohl zweckmäßiges Opferverhalten als auch zweckmäßiges Helferverhalten.
Was heißt „zweckmäßiges Opferverhalten?
Das Opfer muss nach außen seine Opferrolle klar machen – den etwaigen Angreifer laut ansprechen und somit andere Anwesende aufmerksam machen. In der sogenannten Test- oder Kontaktphase kann das schon ausreichen, den Täter abzuschrecken – das Opfer stellt sich plötzlich als Gegner dar, das sich nicht ergeben in sein Schicksal fügt.
Was gilt für Anwesende?
Kurz gesagt: Helfer dürfen nicht den Täter angreifen oder in seinem Status herabsetzen, sondern sollen das Opfer aus dem Einflussbereich hinausziehen. Fühlt sich ein Helfer dem Täter oder den Tätern unterlegen, soll er erst Hilfe organisieren, d.h. andere Anwesende ansprechen ihn zu unterstützen, und Aufgaben verteilen, wie die Polizei zu alarmieren.
Das leuchtet ein. Klappt das denn auch in der Praxis?
Kern eines Zivilcouragetrainings ist, unterschiedliche Bedrohung- und Gewaltsituationen zunächst geistig durchzuspielen, für sich Lösungen zu entwickeln, die eigenen Ideen mit denen der Anderen abzugleichen und dann in Praxisübungen auf ihre Alltagstauglichkeit zu erproben. Deshalb heißt es Zivilcourage-Training.
Dankeschön. Und viel Erfolg!
Fotos: Dr. Eckart Huke
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