zebras_titel_oben
Zur Startseite der Gewalt Akademie Villigst Amt für Jugendarbeit - Evangelische Kirche Westfalen

Deeskalation – die Kür  

Da war es nun, das Deeskalationstraining. Wo ich doch schon seit Jahren Ralf-Erik Posselt kenne, weniger persönlich, eher als Kultfigur der Evangelischen Jugendarbeit und SOS Rassismus verinnerlicht habe.

Überall lagen in der Flüchtlingsberatungsstelle in Dortmund die toten Zebras, ich meine die gemalten, gedruckten, noch nie gelebten mit Leben erweckten? Klar, dass jeder dafür war, dass die Flüchtlinge alle hier sind. Klar, dass die Flüchtlinge alle „in Ordnung“ waren, zumindest traute sich keiner in den Kreisen was anders zu sagen. Das wurde dann auch gleich auf alle Ausländer(neudeutsch:

Menschen mit Migrationshintergrund) übertragen. Ein Aufkleber auch dem Auto lautete: “Liebe Ausländer, lasst uns mit den Deutschen nicht allein“ Nur der Stammtisch nicht, die Zeitungen nicht, die sprachen von Asylanten-Schwemme, schärferen Gesetzen. Asylanten, Dilettanten...Querulanten.....beim Wort fing es an...Flüchtlinge...meine Eltern sind auch Flüchtlinge gewesen, nach dem Kriege.

Manche Veranstaltung  eskalierte, auf der die Leute über die Einrichtung eines neuen Flüchtlingsheims informiert wurden Der eigene Rassismus,  wo ist der, den gibt es nur am Stammtisch oder in schlechten Witzen, den haben nur die anderen!??? Gibt es überhaupt Rassen bei Menschen? Brauche ich ein Feindbild, einen Schuldigen für mein Wohlergehen?

Der Job im Gymnasium, der Job als Lehrer, mein Job dort als Sozialarbeiter braucht in erster Linie Beziehungsarbeit, wenn die Beziehung zu den Lehrern, zu den Schülern stimmt, kommt das Konzept, die Strategie für die Hilfen automatisch. Mit allen Sinnen wahrnehmen, innehalten, die Strategie abrufen. Strategien, die ich bei unserer Trainerausbildung selbst trainiere, die mir helfen, meinen Verstand zu steuern..

Der lange Weg zu mir selbst, mit mir selbst klar kommen, vor der eigenen Tür kehren. Da hilft doch der Rat von Trainer Stefan: „Meine Frau und ich haben uns gleich geeinigt, dass ich immer an allem Schuld bin“ das spart viel Energie. Das habe ich nun zu Hause auch eingeführt...es beruhigt ungemein. und dann kommt  Trainerin Simone: „ Habe ich das genauso gesagt? -  überleg mal.....“

Das schafft erst mal Luft im Aufheizen der Emotionen.. Im geschützten Rahmen mit 15 lernbereiten, wirklich netten Menschen von 19 – 58. Manches klappt nicht, ich darf ja sogar Fehler machen, das erhöht den Lerneffekt, sagen die Trainer.  Ich bin gespannt vor dem ersten Eskalieren in der Gruppe. All das macht unheimlich Spaß.. „Spaß machen soll es“. Das ist die Massage von Simone und Stefan seit Beginn des Trainings, das habe ich mir gut gemerkt..

Ich fühle manches Gefühl mehr, auch Ärger, ungerechte Behandlung, Lustlosigkeit, Spannung vorm „Auftritt“, der Moderation bei einer Übung. Es ist überraschend für mich, wie ich erst das Ausprobieren lernen muss, wie ich die eigene Wahrnehmung ruhig durch die Schilderung anderer Wahrnehmungen bereichern kann, und wie und mit wem ich meine Abschlussarbeit fertige, das frage ich mich.

So trainiere ich mein Leben, angeleitet von einem tollen Team. Die Gruppe lässt mich teilhaben und ich habe sehr viel davon. Die Schüler in „meiner“ Schule, meine Familie dann ja wohl auch. Dankeschön! .


 Ludwig Karp im März 2011


webmaster@gewaltakademie.de