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Das Fremde überwinden

Kleiner Zirkel behauptet „deutsch sein“ ist gar nicht einfach und stellt Forderung „Föhnen bei IKEA muss verboten werden!“

Dpa – Viola Braunstein, Ruhrbildexpress

An einem Samstagmorgen traf sich eine Gruppe sozial engagierten Menschen in Villigst. Diskret fuhren sie mit privaten PKWs zu dem idyllischen Gästehaus direkt an der Ruhr. Sie gaben sich betont kontaktfreudig, freundlich und fröhlich. Doch dann zogen sie sich in einen Raum zurück, schlossen die Türen und lauschten einem Mann, der vorgab Johannes Böing zu heißen. Ihre Reden wirkten geheimnisvoll, kaum verständlich. Ihr Ziel: Das Fremde zu überwinden und ihre Überzeugung in ihrem beruflichen Wirkungskreis zu streuen. Ihre Utopie: Ein Land ohne Diskriminierung, ohne Rassismus. Ihr Weg: sich selbst kennen lernen, kulturelle Spielregeln aufzudecken und Gegner zu beobachten.

Wenn es dieser Gruppe gelingt, starke Strategien zu entwickeln und anzueignen, wird sich die Idee einer gemeinschaftsbejahenden Gesellschaft weiter ausbreiten!

Unsere Enthüllungsjournalistin konnte undercover, getarnt als Empfangsdame, den Verlauf des Wochenendes aufzeichnen:

Offensichtlich stellten sie sich zu einem Begrüßungsritual auf, warfen sich Bälle zu und wiederholten ihre Codewörter. Eingeschworen auf ihr Ansinnen machten sie sich bereit „deutsch sein“ zu definieren. Viele Bilder füllten den Raum, an einer Stellwand wurde akribisch mitgeschrieben –trotz einiger Diskussion kam kein zufrieden stellendes Ergebnis zustande.


Die Gemeinschaft stärkte sich beim Mittagessen, um sich anschließend in kleinen Gruppen auf dem Gelände zu verteilen. Hier rauchten die Köpfe, die Gemüter überhitzen bis sie sich schließlich in tranceähnlichen Zuständen wieder gemeinsam in ihrem Raum versammelten. „Guttenberg trat zurück wegen der drohenden islamischen Revolution“, „Facebookgründer Zuckerberg will einen Teil der Menschheit vor der drohenden Naturkatastrophe retten“ und „Michael Jackson lebt! Allerdings ein paar Grad unter Null!“ – Thesen, die allesamt glaubhaft geschildert wurden und einen Einblick in das geheime Wissen des Zirkels zuließen.

Danach ergaben sie sich einer gestenreichen Diskussion: Darf man bei IKEA föhnen oder muss das verboten werden. Hier wurde eindeutig die Strategie der Irreführung vertieft. Gespräche codiert und decodiert.


Am nächsten Tag vertieften sie ihre Kenntnisse der Gesprächscodierung durch Partnerübungen. Sie versetzten sich in andere Rollen und betrachteten die Mitte der Gesellschaft. Sie wechselten ihre Plätze und sprachen über ihre eigenen Wurzeln. Sie erfuhren viel über sich selbst und über ihre Mitstreiter. Nachdenklich verblieben sie lange Zeit in ihren Gesprächen.



Diverse Audio- und Videoclips heizten die Gemüter an. Weltanschauungen, Strategien und Lebensweisen neonazistischer Richtungen und Vertreter regten nicht nur zum Kopfschütteln und ehrlicher Entrüstung an, sondern bestärkten die Teilnehmer in ihrem Denken und Handeln!

Die Theorie als Schaubild:


AntigewaltPott/ Dorsten - Villigst


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