Medien und Gewalt
Fast immer, wenn Gewalt Medienkonjunktur hat, hagelt es Anfragen von Journalist/innen nach Text-, Ton- und Bildmaterial zum Thema an die Gewalt Akademie Villigst. Gesucht werden Expert/innen die möglichst kurz und knackig, plausibel und mediengerecht komplexe Zusammenhänge einfach beantworten …
Das Fernsehen spiegelt in vielfältiger Weise Gewalt - reale oder fiktive. Kinder, Jugendliche und Erwachsene erleben sie am Bildschirm sehr unterschiedlich und reagieren darauf unterschiedlich. So können durch Gewaltdarstellungen und –berichte zum Beispiel Ekel, Mitleid, Spannung, Furcht, Panik und Gleichgültigkeit hervorgerufen werden.
 Die Medienberichterstattung bildet Wirklichkeiten nicht nur ab, berichtet nicht nur (scheinbar neutral) über Geschehenes, sondern inszeniert häufig genug durch Verschweigen, Überbetonung und Hinzufügungen eine eigene Medienwirklichkeit.
Erfahrungen in der pädagogischen Praxis haben gezeigt, dass es in den Medien oft nicht um das authentische Aufzeigen von Hintergründen und des Lebensalltags geht, sondern um die klischeehafte und dramatisierte Darstellung von Gewalt. Sensationen sind gefragt, spektakuläre Ereignisse.
Positiv: Wenn es gelingt, die Wurzeln der Gewalt aufzudecken, kann die vordergründige Präsentation von Gewalt im Bild gerechtfertigt sein. Es kann nicht darum gehen, sie vom Bildschirm zu verbannen. Entscheidend ist der Kontext, in dem die Gewalt eingebettet ist. Wie verhält sich der Kommentar zum Gezeigten (Text-Bild-Schere)? Wird Erklärungshilfe geboten? Steht unsere Botschaft mit der Botschaft des Beitrages im Einklang? Ist das „heimliche Drehbuch“ des Beitrages mit uns abgesprochen? Sind die gezeigten Personen nur Staffage – oder haben sie auch etwas zu sagen? Wirkt der Beitrag eher ermutigend – oder nur reißerisch?
Negativ: Gewalt wird als Kitzel und Schocker präsentiert, die vor allem unterhaltenden Charakter haben. Gewalt wird als ein "Naturzustand" gezeigt, der wie ein Gewitter keiner weiteren Erklärung bedarf. Der Mensch wird im Bild als "Ware" und Objekt der Kamera gehandelt oder sogar lächerlich gemacht. Voyeuristische Bildeinstellungen entkleiden Menschen ihrer Würde. Dennoch gibt es spektakuläre Gewaltszenen im Fernsehen, die zwar "anstößig" sein können, zugleich aber der Prävention von Gewalt dienlich sind - die Grenze ist fließend.
Filmbeitrag: Gewaltdeeskalation WDR Cosmo TV vom 25.11.2006
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