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Bericht: Ausbildungsgruppe Dorsten 08./09.03.2008:
Das erste Fremdtraining: „Rechte Jugendkulturen“

Während es bei den bisherigen Wochenenden der Ausbildungsgruppe auch mit vollem Körpereinsatz zur Sache ging, war an diesem Wochenende eher geistige Fitness gefragt. Referent Cornelius Peltz begrüßte uns mit hochkomplexen Schachtelsätzen, die einen schwindelig werden ließen.

Aber die Befürchtung das Seminar könnte sich zu einem theorielastigen Langweiler entwickeln bewahrheitete sich in keinster Weise. Schon bei der Kennenlernübung setzte er mit ganz einfachen Regeln ein komplexes Durcheinander in Gang, das volle Konzentration erforderte. Bei der Einstiegsübung zum Thema war es ganz ähnlich: eine einfache Regel reichte, um ein Spiel auszulösen, das gesellschaftliche Prozesse um Meinungsbildung, Selbstbestimmung und Gruppeneinflüsse plastisch deutlich machte.

Natürlich gab es auch jede Menge Input und Antworten auf unsere Fragen:

  • Was ist Rechtsextremismus (Definition)?
  • Was macht Rechte für Jugendliche attraktiv?
  • Welcher persönliche Hintergrund macht anfällig?
  • Wie nehme ich Kontakt mit betroffenen Jugendlichen auf?
  • Was kann ich praktisch tun?

Besonders schön waren die zeitnahen Reflektionen zu den einzelnen Themenblöcken. Oft ergaben sich dabei neue Fragen und Anregungen, die Cornelius Peltz flexibel in der nächsten Arbeitseinheit mit aufnahm. Spannend und zugleich auch witzig, wenn er ganz plastisch im vorgespielten Dialog mit sich selbst von seinen Erfahrungen aus der Streetwork mit rechtsorientierten Cliquen in Bremen berichtete.

Spannend auch die Ausführungen zu den in der Szene verwendeten Zahlencodes und Symbolen, zur Bedeutung bestimmter Marken. Selbst linke Symbole werden für die eigenen Zwecke umdefiniert. So können rechte Skins durchaus mit Che-Guevara-T-Shirts auftreten. Im Bereich rechter Musik mussten wir anhand von Beispielen erkennen, dass  quasi jede Stilrichtung bedient und genutzt wird, um das rechte Gedankengut an die Leute zu bringen. Besonders perfide: die kostenlos verteilten „Schulhof-CDs“.

Eine gute Übersicht zu diesem Bereich gibt www.dasversteckspiel.de. Die dort angebotene Broschüre wurde für die Regionalgruppe bestellt. Zu den „Böhsen Onkelz“ hatte der Referent aufgrund eigener persönlicher Kontakte übrigens eine weniger skeptische Meinung als auf dieser Seite vertreten wird.

Das Seminar hat viele Fragen geklärt, aber mindestens genauso viele aufgeworfen. So war uns mehrheitlich die zunehmende Bedeutung von Frauen in der Szene wohl nicht bekannt. Erschreckend und beängstigend auch die Erkenntnis in wie vielen Bereichen sich die Rechtsextremen schon etabliert haben, eigene Strukturen aufgebaut haben. Manchmal scheint das Versteckspiel aber auch so weit zu gehen, dass die eigenen Leute nicht mehr durchblicken.

Aber das klar formulierte Ziel bleibt: in möglichst viele Lebensbereiche eindringen und durch geschickt getarnte Angebote die Berührungsängste mit „rechts“ abbauen.

Links:
www.demokratie-ist-pop.de (HP des Referenten)
www.arug.de (Arbeitsstelle Rechtsextremismus und Gewalt)
www.augenauf.net (für Zivilcourage)
www.dasversteckspiel.de (Lifestyle, Symbole und Codes der Rechten)
 


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