Huckepacktrainings

Huckepacktrainings

Im Rahmen der Ausbildung zum Deeskalationstrainer werden in Trainingseinheiten Theorie und Praxis der Deeskalation von Gewalt und Rassismus eingeübt und reflektiert. Neben einer Zahl eigener Anleitungsphasen beinhaltet die Ausbildung auch Fremdtrainings bei denen zu bestimmten Themen Referenten das Training übernehmen. Die Regionalgruppen der Gewaltakademie setzen von daher ein rundes und gut durchdachtes Konzept um und bieten den zukünftigen Deeskalationstrainern eine große Bandbreite an Informationen.
Dabei ist zu bedenken, dass die Übungen und Anleitungen während der Ausbildung in so genannten „Laborsituationen“ geschehen und nur zum Teil realistische Situationen wieder spiegeln.
Der Rahmen in dem wir nach der Ausbildung arbeiten kann ganz anders laufen als es uns eine „Laborsituation“ aufzeigen möchte. Um praxisnahe Beispiele zu erhalten, bieten einige Moderatoren der Ausbildungsgruppen ein so genanntes „Huckepacktraining an.

Was bedeutet „Huckepacktraining“?

Bei einem solchen Training können angehende Deeskalationstrainer den Moderator während eines Trainings unter realen Bedingungen beobachten, ihm sozusagen über die Schulter schauen. Es besteht auch die Möglichkeit selbst aktiv zu werden, indem man in Absprache mit dem Trainer Einheiten anleitet. Diese werden anschließend reflektiert.

Was beabsichtigt ein „Huckepacktraining“?

 

  • Eigene Handlungskompetenzen werden erweitert.
  • Bei selbst angeleiteten Einheiten kann der entsprechende Moderator/in eine Reflexion geben.
  • Erweiterung des eigenen Erfahrungshorizontes.
  • „Reale“ Bedingungen kennen lernen, usw.

 

In welchem Umfang macht ein „Huckepacktraining“ Sinn?


Hier kommt es auf die Veranstaltung an, welche vom angehenden Deeskalationstrainer gewählt wird. Es bietet sich an, ein komplettes Training zu begleiten damit begonnene Prozesse abgeschlossen werden. Wie lange also ein „Huckepacktraining“ geht, liegt am Umfang der Veranstaltung. Erfahrungsgemäß empfehle ich ein Training von mehreren Tagen mit einem Stundenumfang von mindestens 16 Stunden in Anlehnung an dem Umfang des Mustertrainings.

Fazit

Aufgrund der positiven Erfahrungen empfehle ich ein Huckepacktraining in die Ausbildungsordnung aufzunehmen.  (Björn)

Erfahrungsberichte

Christine (ABG Dorsten 2008)

Hier nun ein ganz persönlicher Erlebnisbericht zum Huckepacktraining. Für meine Ausbildung und persönliche Weiterentwicklung haben meine Huckepacktrainings mit Keith entscheidenden Anteil gehabt. Vollgepackt mit ganz viel theoretischem Wissen bin ich mit einiger Unsicherheit bezüglich meiner Fähigkeiten Theorie mit Praxis zu verbinden zu meinem ersten Huckepacktraining nach Herne gestartet. Es war total faszinierend, einen „Profi“ bei der Arbeit beobachten und mit eigenen Übungen begleiten zu dürfen. Schon zu meinem zweiten Huckepacktraining in Dorsten bin ich mit einem ganz anderen Selbstverständnis und Selbstbewusstsein gestartet und war bereit, einfach alles auszuprobieren in der Sicherheit begleitet und ggf. aufgefangen zu werden.  Auch ich bin der Ansicht, dass die Teilnahme an Huckepacktrainings fester Bestandteil der Ausbildung werden sollte und wünsche allen zukünftigen Teilnehmern ebenso viele positive Erfahrungen wie ich sie machen durfte.

Andrea Klein (ABG Leverkusen/Köln 2008)

Am 30. und 31.10.2008 fand in neuen Räumlichkeiten des ASH-Sprungbrett e. V. in Bergheim eine Fortbildung „Deeskalationstraining für Anleiter/innen“ statt, dessen Aufgabe darin besteht, Teilnehmer/innen zwischen 18 und 58 Jahren für einen bestimmten Berufszweig zu motivieren. Hauptanliegen der Fortbildungsteilnehmer/innen war das Thema “Wie gehe ich mit der Verweigerungshaltung meiner Teilnehmer um“.

Gewonnen wurde Hartmut Gähl, einer unserer Trainer der Leverkusener Ausbildungsgruppe Awolon GAV, um dieses Training mit mir vorzubereiten bzw. durchzuführen. Folgende Erfahrungen und Erkenntnisse sind für mich aus diesem Lehrtraining ersichtlich:

  • die anfängliche Überlegung, auf alle Fälle einen Mann als Trainer mit hinein zu nehmen, hat sich bewährt. Rollenspiele wie „Anmachen in Bus“ oder das Einüben von „Konsequenzen aussprechen bei Körperverletzung“ zeigten durch die Rolle „Mann“ als Sündenbock realistischere Gegebenheiten in Bezug auf das Klientel der Teilnehmer
     
  • Bisher hatte ich noch keine Seminare für Kolleg/inn/en oder Pädagog/inn/en gehalten. D. h. unterrichtet habe ich bisher Jugendliche und junge Erwachsene mit zumeist sehr auffälligem Verhalten. Die Erfahrungen, die Hartmut in dieser Fortbildung mit einbrachte, ließen weniger Unsicherheiten bei mir aufkommen. Hartmut hatte stets auf alle Rückfragen der TeilnehmerInnen mindestens eine Antwort oder eine weiterführende Gegenfrage und strahlte somit eine bemerkenswert gelassene Souveränität aus.

  • Das ich in der Ausbildung zur Deeskalationstrainerin in der Regionalgruppe Leverkusen/Köln sehr viel gelernt habe, viel Wissen und Eigenreflexion mitbringe und das Wissen demnächst pointierter in der Erwachsenenbildung einbringen kann. Das Huckepack-Training hat mir Mut gemacht.

Ines (ABG Dorsten 2008)

Ich habe auch an einem Huckepacktraining von Keith teilgenommen .Hier kann man sich auch an Übungen trauen, Ndie man noch nicht selber in den Trainings mit der Ausbildungsgruppe ausprobiert hat .Man bekommt sofort das Feedback von den Kindern ,sieht ,mit welcher Begeisterung sie die Übungen mitmachen. Wichtig war für mich ,wie schnell so ein Tag dort vergeht .Ich kann auch nur
die Teilnahme an einem Huckepacktraining empfehlen ,um die vielen Erfahrungen in der realen Praxis mitzunehmen.

Petra, Deeskalationstrainerin Köln/Leverkusen 2008

Am 08. und 09. Januar 2009 hatte ich als frisch gebackene Deeskalationstrainerin die Möglichkeit den GAV Moderator Hartmut Gähl bei einem Training für den Internationalen Bund (IB) zu erleben.

Es war eine lehrreiche und sehr wichtige Erfahrung. Zu den Teilnehmern zählten Sozialpädagogen und Lehrer in vornehmlich neu zusammengestellten Arbeitsteams. Sie beschrieben diverse Gewaltsituationen denen sie in ihren Einrichtungen wie OT, Jugendwohnheim, Förderschule etc. oftmals hilflos gegenüber standen.
Hartmut Gähl stellte zunächst handlungsleitende Grundsätze und praktische Hilfsmittel vor, die motivierend zur Selbstreflektion anregten. Den Teilnehmern wurde deutlich, wie wichtig die Entwicklung einer tragfähigen „pädagogische Haltung“ ist. Methodisch nutze er dabei eine Vielzahl an Situationsbeschreibungen, angelehnt an Inhalten des Trainings sozialer Kompetenzen und Deeskalationstrainings.
Neben diesen Methoden nutze Hartmut Gähl auch Komponenten der humoristischen Pädagogik, um den Teilnehmer/innen in szenischen Spiele wie „Platzkarte im Zug“, „aufdringlicher Vertreter“ oder „Bauer auf dem Feld“, Möglichkeiten zu geben, selbstsicheres Verhalten mit Kreativität zu kombinieren und – falls erwünscht - auch mehrfach durchzuspielen um den Trainingseffekt zu erhöhen.
Darauf aufbauend wurden Grundsätze deeskalierender Arbeit aufgezeigt und jeder Teilnehmer erhielt die Möglichkeit, sich in verschiedenen Situationen zu erproben und zu reflektieren.
Hierzu zählten:

  • sich über Regeln auszutauschen
  • eine Bedrohungssituation zu meistern
  • deeskalierend zu kommunizieren
  • einem Jugendlichen Konsequenzen nach seiner Tat auszusprechen
  • etc.

Gerade hierbei wurde der Vorteil eines Huckepacktrainings deutlich: Der eigene pädagogischer Spielraum ebenso wie die Reflektionen - die eindeutige Spuren hinterlassen - werden klarer und die persönlichen Möglichkeiten gewinnen an Kontur.
Merci an Hartmut!

Alex (ABG Dorsten 2008)

Im Rahmen meiner Ausbildung konnte ich an einem Huckepack-Deeskalationstraining teilnehmen.
Was waren wir vorher mit Theorie und Übungen in der Gruppe voll gepackt worden. Mir stellte sich aber immer die Frage: wie sieht ein Training in der Praxis aus?  Was muss ich beachten? Was muss ich mitnehmen? Welche Übungen mache ich? Wie kann ich es attraktiv auf die Zielgruppe gerichtet gestallten?

Durch ein Training ist es möglich Übungen auszuprobieren und weiter zu entwickeln.
Es war einfach schön zu sehen, mit welcher Begeisterung die Kinder ein solches Training aufnehmen und wie aktiv sie bei der Sache sind.


Und falls es mal nicht klappt, hat man einen kompetenten Trainer an der Seite, der einem hilft.
Es wäre sehr empfehlenswert, dass ein Huckepack- Training Bestandteil der Ausbildung wird.