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Zugangsbarrieren zu Jugendarbeit und Ferienfreizeiten für geflüchtete Kinder und Jugendliche abbauen

Aufruf der Aktionsgemeinschaft Junge Flüchtlinge in NRW: Nach Artikel 31 der UN-Kinderrechtskonvention sind die Vertragsstaaten der UN wie Deutschland aufgefordert, das Recht des Kindes auf volle Beteiligung am kulturellen und künstlerischen Leben sowie auf Spiel, Erholung und Freizeitbeschäftigung zu fördern. Die Praxis sieht jedoch leider noch immer oft anders aus.

Zwar wurde die Residenzpflicht innerhalb des Bundesgebiets gelockert,
nicht jedoch für geflüchtete Menschen in Erstaufnahmeeinrichtungen oder
Menschen aus sogenannten sicheren Herkunftsstaaten. Sie sind weiterhin
räumlichen Aufenthaltsbeschränkungen unterworfen. Das Verlassen des
zugewiesenen Bereichs, der oft nicht über eine Kommune oder einen
Landkreis hinausgeht, ist nur aus "zwingenden Gründen" im Ermessen der
Behörden erlaubt.
Gerade nach traumatisierenden Fluchterfahrungen ist das Recht auf
Spiel, Erholung und Freizeitbeschäftigung wichtiger denn je. Die Träger
der Kinder- und Jugendarbeit in NRW leisten einen wichtigen Beitrag zur
Hilfe und bemühen sich vielerorts um die Mitnahme und Teilhabe
geflüchteter junger Menschen. Ihre Arbeit wird jedoch häufig aufgrund
von asylrechtlichen Regelungen erschwert.
Die Aktionsgemeinschaft Junge Flüchtlinge in NRW fordert: Angebote für
geflüchtete Kinder müssen, wie für alle jungen Menschen, auch außerhalb
der Unterkünfte und ihres zugewiesenen Aufenthaltsbereiches möglich sein
und dürfen nicht am Status des Asylverfahrens scheitern. Sie fordert die
Anwendung der UN-Kinderrechte für alle Kinder, egal woher sie kommen und
wo sie leben und ermuntert die Praxis der Kinder- und Jugendhilfe
ausdrücklich, geflüchtete Kinder und Jugendliche in ihre Aktivitäten
einzuplanen - und sie zu besuchen!
Berichte aus der Praxis über die Behinderung der Reisefreiheit von
geflüchteten jungen Menschen beunruhigen die Mitglieder der
Aktionsgemeinschaft Junge Flüchtlinge in NRW. Jugendgruppen, die in den
Ferien von NRW aus ins Ausland reisen, müssen je nach Aufenthaltsstatus
bei der zuständigen Ausländerbehörde oder beim Bundesamt für Migration
und Flüchtlinge (BAMF) eine Genehmigung einholen. Der im Asylrecht
geltende Satz, "Bedingungen und Auflagen können angeordnet werden", wird
von den Ausländerbehörden in der Praxis noch immer unterschiedlich
gehandhabt. Die Aktionsgemeinschaft bittet alle kommunalen
Ausländerbehörden um eine großzügige und transparente Auslegung
des geltenden Rechts!
Die Aktionsgemeinschaft dankt allen haupt- und ehrenamtlich
Engagierten, die Zeit und Energie in die Auseinandersetzung mit den
zuständigen Ämtern investieren und für die geschenkte Teilhabe und
Freude, die sie jungen geflüchteten Menschen damit ermöglichen.