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DIVERSITY – ein lebenslanger Lernprozess

Erstellt von ub – ABG Lev/Köln, awolon®Trainerkollektiv

Ende Oktober – nicht nur das Jahr, sondern auch die Ausbildung zum / zur Villigster Deeskalationstrainer_in Gewalt und Rassismus nähert sich dem absehbaren Ende – übrigens zum 9. Mal in Folge bei der ABG Leverkusen/ Köln!

Ende Oktober – nicht nur das Jahr, sondern auch die Ausbildung zum / zur Villigster Deeskalationstrainer_in Gewalt und Rassismus nähert sich dem absehbaren Ende – übrigens zum 9. Mal in Folge bei der ABG Leverkusen/ Köln!

Während wir in den vergangenen Monaten von 2016 uns intensiv mit dem Phänomen Gewalt in unterschiedlichster Weise auseinander gesetzt haben – was nicht nur den Trainer_innen, sondern auch den Teilnehmenden einiges an Mut, Kraft und Entschlossenheit abverlangte -  wenden wir uns nun an den beiden letzten Wochenenden dem 2. Standbein der Weiterbildung – dem Schwerpunkt Rassismus - zu. 

Von den Bedürfnissen und Erwartungen der Wirtschaft inspiriert haben wir uns dem weiten Feld der multikulturellen Vielfalt gestellt und die inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Begriff DIVERSITY umschrieben.

Wir von der ABG Lev/Köln verstehen darunter die Themenschwerpunkte VORURTEIL; DISKRIMINIERUNG UND RASSISMUS, wobei unter Rassismus auch die „Erlebniswelt Rechtsextremismus“ ihren angestammten Platz inne hat.

Am ersten der beiden Wochenenden haben sich die TN mit Vorurteilen und Diskriminierung beschäftigt-

Vor – Urteil – was ist das? und wie äußert sich dies im alltäglichen Sprachgebrauch?

„ Beamte sind faul. Frauen können nicht einparken, Sozialarbeiter spielen gerne“ – um nur einige zu nennen – aber stimmt das denn nicht? – ich kenne einen  faulen Beamten und du hast von Frau Meier berichtet, dass sie nicht einparken kann – also wieso ist das ein Vor-Urteil?

Die Crux   liegt nicht in der individuellen Aussage, sondern in der Verallgemeinerung und der vorbehaltlosen Übernahme von Einzelerfahrungen als allgemeingültige Katalogisierung!

Solche Praktiken lassen schnell eine Mauer  von Vorurteilen aufbauen, die es am Ende wieder – aufgrund des besseren Wissens -  einzureißen gilt.

Ein eindrucksvolles Bild  - wie Gehässigkeiten und Vorurteile ausgedrückt und bei fehlendem Widerspruch stillschweigend akzeptiert werden -    vermittelte der Kurzfilm „Der Schwarzfahrer“ – der in Inhalt und medialer Genialität sich vieler Cliches und Vorurteile bedient – getreu der Zuschreibung – all die anderen  -  und wir  im Gegensatz dazu!

Wie sich Menschen fühlen, die ohne oder nur mit wenigen Kenntnissen sich non verbal in einem fremden Land zurechtfinden müssen, konnten die TN bei dem Kartenspiel Barnga nachempfinden. An jedem der Spieltische gibt es neben unterbundener Kommunikation unterschiedliche Regeln und Trumpffarben, da ist Irritation und evtl. auch Ärger vorprogrammiert, wenn Sieger und Verlierer ihre Gruppen verlassen und sich an anderen Spieltischen einfinden und dort weiterspielen müssen.

Menschen bestimmte Rollen zuzuweisen und zu beobachten, wie sie -entsprechend der Rollenzuschreibungen - immer mehr durch das verbale und nonverbale Verhalten der anderen

Mitspieler in ihrem eigenen Verhalten beeinflusst werden und sich der zugewiesenen Rolle annähern,         erlebten die TN anhand einer gespielten Betriebsversammlung, bei der alle die ausgewiesenen Rollen der anderen, nicht aber die eigenen Rolle wissen durften!                                                                                                           

Am 2. Tag musste jede/r der Teilnehmenden in eine bestimmte Rolle schlüpfen, und anhand von Fragen , u.a.

kannst du dein Kind im katholischen Kindergarten anmelden? Oder: kannst du eine Lebensversicherung abschließen? oder:  .....eine gerechte Behandlung bei einer Polizeikontrolle erwarten?

bei der Antwort „ja“ einen Schritt nach vorne gehen - wie erstaunt waren die Teilnehmenden, als sie merkten, dass Asylbewerber, Fliesenleger-arbeitslos und ohne festen Wohnsitz- im Gegensatz zu einem Friseursaloninhaber / einer Bankangestellten, oder einer phillipinischen  Krankenschwester -  weit abgeschlagen standen – das ist Diskriminierung  - erlebbar und hautnah!

Wie fühlt man sich,  wenn von acht Menschen in einem Boot einer von Bord muss, weil sonst das Boot untergeht? Soll der rechtsradikale Skinhead über Bord, oder der hilflose Rollstuhlfahrer, oder der türkische Jugendliche, oder der lebenserfahrenere Facharbeiter, der bei nachfolgenden Schwierigkeiten mit Rat und Tat den Überlebenden zur Seite stehen könnte?? Ist eine solche Situation überhaupt lösbar?? Oder bleibt nur Betroffenheit, wenn man dem Überlebenswillen gehorchend glaubt einen anderen Menschen in den Tod schicken zu müssen – welches Leben ist wertvoller – meins oder deins?

Auch in der Wissenschaft lassen sich diskriminierende Ansätze finden – die Mercator – Karte z.B. –in Schulen und Atlanten  noch lange nicht verschwunden – zeigt auf Weltkarten die Kontinente  in einem verzerrten Größenvergleich  – Industrieländer als ehemalige Kolonialmächte werden überproportional und  sogenannte Entwicklungs- / Schwellenländer unterproportional dargestellt –Zufall oder unbewusste / unbedachte Diskriminierung??? – von Generation zu Generation bis dato weitergegeben! 

Sehr nachdenklich haben wir unsere Teilnehmenden an diesem Wochenende entlassen, in dem Bewusstsein, sich auch weiterhin mit den eigenen Vorurteilen und Alltagsrassismen auseinander zu setzen – denn in Anlehnung an den Anti Bias – Ansatz hat jeder Mensch Vorurteile, die es gilt in persönlicher und gelebter Haltung in einem lebenslangen Prozess zu überwinden.

Wesentlich leichter als die Arbeit an der eigenen Haltung gestaltete sich das Einreißen der Vorurteilsmauer, was mit Vehemenz und Erleichterung  und in kürzester Zeit vonstatten ging, ganz im Gegensatz zu der Tatsache, wie langsam sich in der Realität Vorurteile aus der Welt schaffen lassen!

ub – ABG Lev/Köln,  awolon® Trainerkollektiv